Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Landestheater startet in neue Spielzeit

HLT mit zwei Intendantinnen Landestheater startet in neue Spielzeit

Am Hessischen Landestheater in Marburg beginnt eine neue Ära. Bundesweit neu: Mit Carola Unser und Eva Lange stehen zwei Intendantinnen gleichberechtigt an der Spitze eines Subventionstheaters. Außerdem treffen 12 neue Schauspieler und neue Dramaturgen auf Kollegen, die schon länger am HLT arbeiten.

Voriger Artikel
Bewohner im Haus - Dieb greift trotzdem zu
Nächster Artikel
BI stellt Bedingungen für Baugebiet Hasenkopf

Das neue Banner am Theater am Schwanhof, vor dem sich das neue Team aufgebaut hat, ist in drei Sprachen formuliert. Das Landestheater will zu einem Haus für alle Menschen werden.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Carola Unser und Eva Lange strahlten gestern bei der Spielzeitbegrüßung: „Wir freuen uns sehr, die neuen ­Intendantinnen des Hessischen Landestheaters zu sein“, sagten sie vor ihrem Team. „Es ist mega-aufregend für alle.“

Gestern war Schnuppertag, denn das Team des Landestheaters wurde mit dem Intendanten-Wechsel neu zusammengestellt. 12 neue Schauspielerinnen und Schauspieler aus ganz Deutschland und aus dem Ausland, neue Dramaturginnen und Dramaturgen trafen auf Kollegen, die schon länger am Landestheater arbeiten. Carola­ Unser und Eva Lange stellten an einem Riesen-Tisch-Quadrat in der Black-Box jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter kurz vor.

Intendantinnen wollen Position beziehen

Es gab Video-Grußbotschaften von Gästen, die demnächst in Marburg arbeiten werden, eine Hausführung, ein Speed-Dating, ein Marburg meets Marburg: Wer bist du, was ist wo, wer macht was? Kennenlernen war angesagt, bevor die Arbeit für die ersten Produktionen der Spielzeit beginnt, die am 21. September mit der Doppelpremiere „Maria Stuart / Ulrike Maria Stuart“ von Friedrich Schiller und Elfriede Jelinek startet. Am Eröffnungswochenende stehen am 22. September zwei weitere Produktionen auf dem Programm: Die Uraufführung des Tanztheaterstücks „Mein Platz, dein Platz“ für ­Kinder ab drei Jahren und die deutsch-georgische Koproduktion ­„Radio Universe“.

„Es ist unmöglich, Staub aufzuwirbeln, ohne dass die Leute anfangen zu husten“, sagte Eva Lange und gibt damit ein wenig den Tenor vor: Die neuen Intendantinnen wollen Staub aufwirbeln, verstehen das Theater als Ort der Debatten, der Diskurse. „Wir glauben, dass es gerade in diesen Tagen wichtig ist, Position zu beziehen“, meint Carola Unser. Dabei wollen sie Brücken bauen, das Hessische Landestheater zu einem „Haus für alle Menschen machen“. Der Slogan „Komm! Ins Offene,­ Freund“, der dreisprachig in deutsch, englisch und arabisch auf einem Riesen-Banner am Theater am Schwanhof zu lesen ist, betont diese Haltung.

Doppelspitze als ein ganz neuer Weg

Rund 25 Gäste werden das Landestheater-Team in der ersten Spielzeit von Unser und Lange unterstützen – Regisseure, Darsteller, Bühnen- und Kostümbildner. Ihr Anspruch: gutes Theater machen. „Jeder ist am Gelingen eines Stückes dabei, betonten die beiden, vom Darsteller bis zur Maske. Ihr Appell: „Jeder macht an seiner Stelle maximal alles.“ Dabei versprechen die Intendantinnen, „dass wir nach den Arbeitsbedingungen schauen“, insbesondere angesichts des kinderreichen Ensembles. Samstags werde nicht geprobt, versprachen sie.

Kommunikation im Haus, Freundlichkeit, Offenheit gegenüber anderen, Höflichkeit – diese Begriffe nannten sie immer wieder. Jeder solle sich einbringen und sich fragen: „Wohin kann das Schiff HLTM in den nächsten fünf Jahren fahren.“

Der Unterstützung der Stadt Marburg und des Landes Hessen, beide sind Gesellschafter des Hessischen Landestheaters, können sich die neuen­ ­Intendantinnen sicher sein. „Der Neustart einer Intendanz ist etwas ganz Besonderes“, sagte etwa Jan-Sebastian Kittel, Theaterreferent des Landes Hessen. „Wir wollen Voraussetzungen für die Kunst schaffen.“ Die Doppelspitze sei ein ganz neuer Weg für die hessische Theaterszene, der Aufsichtsrat des Landestheaters sei „ganz fest überzeugt von dem Konzept“ der beiden Theatermacherinnen.

Mitglieder-Wette mit dem Freundeskreis

Kittel erinnerte auch an eine wichtige Funktion des Landestheaters, das als Gastspieltheater insbesondere auch den ländlichen Raum bespielen soll. Wie Jürgen Bandte, Vorsitzender des Freundeskreises des Theaters, wünschte er ihnen einen guten Start. Und Bandte hat mit den Intendantinnen gleich eine Wette laufen: Sie wollen die Zahl der Freundeskreis-Mitglieder bis Silvester auf 300 Mitglieder erhöhen. Topp, die Wette gilt. Bandte hält übrigens dagegen: „Irgendwer muss ja dagegen wetten, sonst ist es keine Wette.“

von Uwe Badouin

Voriger Artikel
Nächster Artikel