Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Betreuung vor herzchirurgischem Eingriff
Marburg Betreuung vor herzchirurgischem Eingriff
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 14.03.2018
Eine Herzoperation – unser Bild zeigt die Live-Übertragung einer Operation in einen Hörsaal mit Dr. Hamdi Elfarra – bedeutet immer Stress für den Patienten. Quelle: Nadine Weigel
Anzeige
Marburg

Kann der Glaube auch in der Herzchirurgie Berge versetzen? Kann man durch Beeinflussung von Emotionen etwas am Krankheitsbild verändern? Das waren Fragen im Hintergrund der Studie einer Marburger Forschergruppe unter Leitung des Herzchirurgen Professor Rainer Moosdorf und des Psychologen Professor Winfried Rief.

In seinem Vortrag auf Einladung der Malteser vor rund 80 Zuhörern im Gemeindehaus St. Peter und Paul stellte Moosdorf die Ergebnisse der Studie vor. Diese sei nach dem Vorbild einer Studie des Kardiologen Keith Petri aus Neuseeland entstanden, in der es um die psychologische Begleitung von herzkranken Patienten gegangen sei.

Bei der Marburger Studie mit 170 Patienten als Teilnehmern ging es nun weitergehend darum, wie sich psychologische Gespräche im Vorfeld eines herzchirurgischen Eingriffs auswirken. Einbezogen wurden Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 65 Jahren, denen entweder eine Herzklappe oder ein Bypass eingesetzt wurde. Vor und nach der Operation sollten die Patienten aber zunächst einmal eine ungewöhnliche Aufgabe absolvieren. Sie sollten ein Bild ihres eigenen Herzens zeichnen, um so ihre Empfindungen bezüglich ihrer Erkrankung und der Therapie auszudrücken.

Patienten schreiben Brief an „postoperatives Ich“

Die Patienten wurden dann in drei Gruppen aufgeteilt. Eine­ Gruppe erhielt eine optimale psychologische Vorbetreuung. Das bedeutete zwei persönliche Sitzungen mit einem professionellen Psychologen und zwei Telefongespräche im Vorfeld der Operation sowie ein letztes persönliches Gespräch am Vorabend des Eingriffs. Bei einer weiteren Gruppe wurde auf psychologische Zusatzhilfe verzichtet, und es gab lediglich ein Aufklärungsgespräch mit dem Operateur.

Bei der dritten Gruppe gab es zusätzlich ein Mindestmaß an psychologischer Vorbetreuung, ein Gespräch mit einem Psychologen. Bei der Auswertung der Ergebnisse sollten die beiden Vergleichsgruppen deutlich machen, wie erfolgreich die psychologische Rundumbetreuung war. Eine weitere Vorbereitung der Patienten war, dass sie einen Brief an ihr „postoperatives Ich“ abschicken sollten, in dem sie ihre Erwartungen für die Zeit nach der Operation formulieren sollten. Die Bandbreite reichte von Gartenarbeit über Gassigehen mit dem Hunde bis zum Seniorensport.

„Es hat mir ­geholfen“

Die Ergebnisse der Studie waren deutlich: Die Patienten mit den besten psychologischen Vorbereitungen hatten nach der Operationen die wenigsten gesundheitlichen Behinderungen. Zudem erwies sich ihre Leistungsfähigkeit deutlich besser als bei den Vergleichsgruppen und sie hatten weniger Angst um die Gesundheit ihres Herzens. Auch bei den Laborwerten in Bezug auf Stresshormone schnitten die von den Psychologen betreuten Patienten deutlich besser ab. Nun soll die Studie in die zweite Runde gehen, und zwar unter Beteiligung von Patienten aus acht Herzzentren deutschlandweit. Wenn die Nachfolgestudie ähnliche Ergebnisse ergibt, würde Moosdorf vorschlagen, flächendeckend Psychologen-Stellen an Herzzentren einzurichten.

In der Diskussion nach dem informativen Vortrag ergriff der ehemaliger Patient Albin Häring das Wort, der an der Studie teilgenommen hatte. Er berichtete, dass der Psychologe ihn richtig in die Mangel genommen habe. Das habe er zunächst eher als Geplänkel empfunden. „Ich muss aber sagen, es hat mir ­geholfen. Ich hatte dann keine Panik mehr vor der Operation“, sagte Häring.

von Manfred Hitzeroth

Mehr zu diesen Thema lesen Sie hier:

"Verborgene Ängste aufspüren"

Anzeige