Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Eine ferne Klangwelt wird lebendig

Heinrich-Schütz-Fest Eine ferne Klangwelt wird lebendig

Ein Konzert der Extraklasse erlebten rund 300 Freunde der Alten Musik in der ­Universitätskirche. Das renommierte Johann-Rosenmüller-Ensemble zeigte sein ganzes Können.

Voriger Artikel
„Wenn es gut läuft, reicht es“
Nächster Artikel
Umjubelte Topstars am Blech

Das renommierte Johann-Rosenmüller-Ensemble gastierte beim Heinrich-Schütz-Fest in der Universitätskirche.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Es war das Eröffnungskonzert zum 48. Internationalen Heinrich-Schütz-Fest, das in diesem Jahr in Marburg ausgerichtet wird. Das Fest ist dem frühbarocken Komponisten Heinrich Schütz (1585 – 1672) gewidmet ( die OP berichtete).

Das Johann-Rosenmüller-Ensemble zählt zu den führenden deutschen Ensembles für Alte Musik. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Wiederaufführung unbekannter Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, wobei großer Wert auf die authentische ­Interpretation gelegt wird. Hierfür spielen die Musikerinnen und Musiker auf Kopien historischer Originalinstrumente. Namensgeber ist der deutsche Komponist Johann Rosenmüller (1617 – 1684), der der Generation zwischen Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) angehörte.

Alte Instrumente aus Zink im Einsatz

Das Johann-Rosenmüller-Ensemble entführte die Konzertbesucher am Donnerstag mit seinem äußerst feinfühligen und virtuosen Spiel in eine ferne Klangwelt und ließ eine längst versunkene Zeit wieder lebendig werden. Der Chor bestand aus nur acht exzellenten Sängerinnen und Sängern, jeder Einzelne von ihnen ein Solist mit ausgebildeter Stimme. Hinzu kamen zwölf Profimusiker, die mit viel Empathie musizierten und stets sicher und perfekt zusammen spielten.

Im Orchester kamen alte Instrumente wie zum Beispiel der Zink zum Einsatz. Der Zink ist ein schmales Instrument aus Holz, das wie ein Blechblasinstrument gespielt wird. Der Dirigent und 
 Ensemblegründer Arno Paduch­ spielte den Zink und dirigierte zeitweise sehr ­gekonnt 
aus dem Orchester ­heraus.

Der Konzertabend stand unter dem Motto „Venedig in Hessen. Mehrchörige Musik im venezianischen Stil“. Los ging es mit einem prächtigen Stück von Lambert de Sayve (um 1548 – ca. 1617), das vermutlich für eine Kaiserkrönung geschrieben wurde. Wunderschön klang auch das „vasto mar“ aus dem „primo libro de madrigali“ von Heinrich Schütz. Es wurde 1611 komponiert und lobt und preist den Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel, der Schützens Geldgeber und Mentor war.

Ruf nach Zugabe wird nicht erhört

Eine tolle Wirkung entfaltete wenig später das „O, mächtiger Herr“, die Umdichtung eines Madrigals von Claudio Monteverdi (1567 – 1643). Das Ensemble interpretierte das Stück sehr eindringlich und feierlich, und besonders die innige Bitte um Frieden ging unter die Haut. Mit dem majestätischen und bewegenden „Alleluja! Lobet den Herren in seinem Heiligtum“ von Schütz ging der eindrucksvolle Konzertabend zu Ende. Chor und Orchester steigerten sich noch einmal zu einem glanzvollen Fortissimo, das die ganze Kirche erfüllte.

Die Zuhörer waren hingerissen und bedankten sich mit ­tosendem Beifall und heftigem Fußgetrappel bei den Künstlerinnen und Künstlern. Leider gab es keine Zugabe, obwohl es sich viele gewünscht hätten.

  • Das Internationale Heinrich-Schütz-Fest endet Sonntag um 10 Uhr mit einem Musikgottesdienst in der Elisabethkirche. Samstagabend beginnt um 20 Uhr in der Lutherischen Pfarrkirche unter dem Titel „In alle Welt. Psalmjonglagen – Musik zur Reformation“ ein ganz besonderes Konzert-Event unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel