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Marburg Unternehmen bleiben auf Lehrstellen sitzen
Marburg Unternehmen bleiben auf Lehrstellen sitzen
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00:17 27.07.2018
Nahezu jeder zweite heimische IHK-Betrieb hat extreme Schwierigkeiten, seine Lehrstellen zu besetzen. Quelle: Sebastian Kahnert
Marburg

Das Ergebnis für die Region: 44 Prozent der Firmen konnten ­ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen – bundesweit waren es indes nur 34 Prozent.

61 Prozent der heimischen Unternehmen begründeten den „Azubi-Mangel“ damit, dass sich nicht genügend geeignete Bewerber vorstellten. 30 Prozent fügten hinzu, dass ausgewählte Bewerber ihre Ausbildungsstelle nicht antraten: „Für die Betriebe ist dies eine echte Belastungsprobe, der sie aber offensichtlich proaktiv begegnen“, kommentiert IHK-Präsident Jörg-Ludwig Jordan diese Zahlen.

So bildeten bereits 34 Prozent der Firmen Flüchtlinge aus, die künftig helfen würden, den Fachkräftemangel zu beheben.

Und wenn Bewerbungen kommen, haben die Personaler weitere Probleme. So beklagen 80 Prozent der Befragten, dass die Schulabgänger oft zu unklare Vorstellungen über die Anforderungen im Beruf haben. Außerdem gebe es nach wie vor Mängel der Ausbildungsreife – so zum Beispiel Probleme bei Leistungsbereitschaft und Motivation (69 Prozent), Schwächen im Ausdrucksvermögen (67 Prozent) und elementaren Rechenfertigkeiten (61 Prozent): „Bedenkt man, dass Fähigkeiten wie Disziplin (64 Prozent) und Belastbarkeit (63 Prozent) die Aufgabe der Wissensvermittlung erschweren, ist die Ausbildungsbereitschaft unserer Betriebe beeindruckend konstant und aktuell wieder deutlich zunehmend“, verweist Jordan auf ein Plus bei den Ausbildungsverträgen von 3,1 Prozent  zum Monatsbeginn.

Der IHK-Präsident verdeutlichte, dass in der Zukunft vor allem die IT-Kompetenzen künftiger Azubis von großer Relevanz seien. Die Umfrage zeige, dass 60 Prozent der Auszubildenden über das geforderte Basisniveau an „Reflektionsvermögen über digitale Inhalte“ verfügen, weitere 8 Prozent sogar sehr gute Fähigkeiten aufwiesen. Demnach zeichnen sich 51 Prozent der jungen Menschen durch sehr gute Kenntnisse im „Umgang mit Social Media“ aus, die sensiblen Bereiche IT-Sicherheit und Datenschutz dagegen bedürfen noch weiterer Schulungen.

Zufrieden sind die Ausbildungsbetriebe indes mit den Berufsschulen: 84 Prozent sind sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Schule. 56 Prozent wünschen sich sogar noch ­eine intensivere Kommunika­tion, 52 Prozent plädieren für ­eine verbesserte Ausstattung. Darüber hinaus investieren die Betriebe in ihre eigene Weiterbildungsarbeit: 66 Prozent bieten firmeneigene Seminare an, 59 Prozent setzen auf Selbstlernkonzepte.

Um Schüler für die duale Ausbildung in heimischen Unternehmen zu gewinnen, veranstaltet die IHK Kassel-Marburg am 2. November den „Tag des Nachwuchses“. Dann öffnen Ausbildungsbetriebe von 14 bis 18 Uhr ihre Türen. Interessierte Jugendliche können sich vor Ort bei Betriebsführungen und Gesprächen mit Auszubildenden und Ausbildern informieren. Unternehmen haben im Vorfeld die Möglichkeit, unter www.ihk-perfectmatch.de/unternehmen ein Kurzprofil samt Ausbildungsangebot hochzuladen. Voraussichtlich ab Ende August können sich Jugendliche für einen Unternehmensbesuch anmelden.

von Andreas Schmidt