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Kneipen-Kollektiv hofft auf Unterstützung

Havanna8 Kneipen-Kollektiv hofft auf Unterstützung

„Das Havanna8 bleibt!“: Mit diesem Statement und dem Start einer Kampagne möchte sich das Kollektiv für den Erhalt der Kneipe einsetzen und unter anderem Mieterhöhungen thematisieren.

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Anstoßen mit „Solicola“ und „Club Mate“: Genauso besonders wie diese Getränke ist auch das  Havanna8, dessen Kollektivisten sich für den Erhalt der Kneipe einsetzen.

Quelle: Simone Schwalm

Marburg. Durchgesessene Sofas, ein Aushang mit der Überschrift „Kollektivist_innen gesucht“, bemalte Tische und auf einem von ihnen eine „Solicola“ – keine Frage, das Havanna8 hat seinen ganz eigenen Stil und auch seine ganz eigene Struktur. Das Kneipenkollektiv, das die Kneipe gegenüber der alten Universität gleichberechtigt organisiert, versteht sich als „politischer Raum mit einem emanzipatorischen und linksradikal-feministischen Anspruch.“

Miete hat sich fast verdoppelt

Mit der Kneipe soll kein Gewinn erwirtschaftet werden. Das Geld, das die Betreiber etwa aus dem Getränkeverkauf einnehmen, wird direkt wieder in die Kneipe gesteckt. Bisher seien die Kosten für Miete und weitere Ausgaben zu tragen gewesen, berichten zwei Kollektivisten, die anonym bleiben möchten. Doch im Juli vergangenen Jahres habe sich alles geändert.

Wie die beiden jungen Männer gegenüber der OP berichten, kam es durch einen Hauseigentümer-Wechsel annähernd zu einer Verdopplung der Miete.

Letztendlich habe das Kneipenkollektiv eine Kündigung seines Mietvertrags zum April 2019 erhalten. Eine entsprechende Anfrage der OP wurde bislang vom neuen Hauseigentümer noch nicht beantwortet. Die Kollektivisten möchten nun laut der beiden jungen Männer eine „legale und öffentliche Kampagne“ starten für den Erhalt des Havanna8. Zum einen hat das Kneipenkollektiv auf der Seite des sozialen Netzwerkes „Facebook“ auf seine Situation aufmerksam gemacht, zum anderen haben sie eine separate Webseite eingerichtet, auf der Soli-Erklärungen abgegeben werden können.

Seit 33 Jahren am gleichen Ort

Sie seien auch offen dafür, wenn ihnen jemand einen anderen Raum für die Kneipe zur Verfügung stellen könne, der für sie finanzierbar sei, aber der 24-jährige Student sagt auch: „Das Havanna8 ist seit 33 Jahren am gleichen Ort. Es fühlt sich nicht richtig an, einfach hier raus zu gehen.“

Ihr aktuelles Problem sehen die Kollektivisten im Zusammenhang mit dem Problem der Gentrifizierung (Strukturwandel innerstädtischer Gebiete durch Veränderung des Wohnumfelds), dem Anstieg von Mietpreisen, nicht nur für Kneipen und Geschäfte von Einzelhändlern, sondern auch für Privatpersonen.

Das Kneipenkollektiv möchte daher auch Vertreter der Stadtpolitik einbinden. Der SPD-Stadtverordnete Steffen Rink beispielsweise hat bereits auf Facebook auf den Post des Kollektivs reagiert. „Es gibt Dinge, die gehören einfach dahin und müssen da bleiben, wo sie sind. Verdopplung der Miete oder Rausschmiss – geht gar nicht“, schrieb er am 21. März.

"Eine Institution alternativer linker Studierendenkultur"

Jan Schalauske, Fraktionsvorsitzender der Marburger Linken, teilte der OP mit: „Ich habe die Meldung bei Facebook auch mit Besorgnis registriert. Das Havanna8 ist so etwas wie eine Institution alternativer linker und politischer Studierendenkultur in Marburg.“

Die beiden Studenten des Kneipenkollektivs sind überzeugt, dass „sich der Rechtsdruck erhöhen wird, wenn linke Strukturen wegbrechen“. Sie verstehen das Havanna8 als Schutzraum für alle Menschen, die in irgendeiner Weise von Diskriminierung betroffen sind. „Wenn wir nicht mehr da sind, treffen aggressive Anfeindungen, die sonst an uns ausgelassen werden, eventuell mehr diese Menschen direkt“, befürchtet der 23-jährige Student.

  • Am Sonntag, 1. April, findet das erste ­Soli-Plenum zum Thema ab 15 Uhr im Havanna8 statt.

von Simone Schwalm

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