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Marburg „Haus Syrah“ wird Unterkunft für Flüchtlingsfamilien
Marburg „Haus Syrah“ wird Unterkunft für Flüchtlingsfamilien
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00:18 14.09.2018
Im „Haus Syrah“ auf dem Vitos-Gelände sollen künftig Flüchtlingsfamilien leben können, solange die Klinik keinen Bedarf anmeldet. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Unsere Grundhaltung war nicht, dass wir das Haus Syrah nicht mehr wollen“, versicherte Ortvorsteherin Erika Lotz-Halilovic (SPD). Der Ortsbeirat sei lediglich wegen der Nutzungsänderung irritiert gewesen. „Wir haben unsere Bedenken geäußert, weil wir den Hintergrund nicht kannten“, ergänzte Lotz-Halilovic.

Über diesen Punkt informierte daher Wolfgang Engler vom Fachdienst Migration und Flüchtlingshilfe der Stadt Marburg: Er erläuterte, dass das ehemalige Klinikgebäude auf dem Vitos-Gelände ursprünglich für geflüchtete Frauen gedacht war, die besonders geschützt werden müssten. Später waren nicht nur schutzbedürftige Frauen, sondern generell alleinstehende Frauen dort untergebracht. Dies habe zu Konflikten geführt, da die nicht schutzbedürftigen Frauen nicht verstanden, warum sie keinen männlichen Besuch haben konnten, etwa Besuch von Brüdern, später nachgekommenen Ehemännern. Die schutzbedürftigen Frauen hingegen fühlten sich nicht mehr ausreichend geschützt. „Als der Mietvertrag 2017 endete, dachten wir, dass dies nicht mehr der richtige Weg sei“, sagte Engler. Das Schutzhaus für geflüchtete Frauen wurde daher in ein Haus in der Marbach verlegt.

Das „Haus Syrah“ sollte dann für Flüchtlingsfamilien genutzt werden. Das neue Konzept sieht die Unterbringung von Eltern mit maximal zwei Kindern oder alleinstehenden Frauen mit maximal drei Kindern vor, wobei für Jungen eine Altersbegrenzung von zwölf Jahren besteht. Derzeit leben 36 Geflüchtete in der Einrichtung. Von den 18 Zimmern sind laut Engler zurzeit 15 Zimmer belegt.

Die Umnutzung des Klinikgebäudes sei dabei befristet genehmigt worden und müsse erneut beantragt werden: „Mittelfristig will Vitos das Haus wieder als Klinikgebäude nutzen, aber die Planungen sind noch ganz am Anfang“, erklärte Engler. Vitos hätte die Bereitschaft gezeigt, das Gebäude noch einmal für ein Jahr zur Verfügung zu stellen, wenn die baurechtlichen Voraussetzungen geklärt sind.

BSF startet mehrmonatige Umfrage im Quartier

Die Ausländerbeiratsvorsitzende Goarik Gareyan-Petrosyan berichtete von ihrem Besuch in der Einrichtung und ihren durchweg positiven Eindrücken. Mit seinen Erläuterungen konnte Engler die Bedenken und Unklarheiten ausräumen. Mit vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung stimmte der Ortsbeirat der Umnutzung des „Hauses Syrah“ zu. Ein weiterer Tagesordnungspunkt waren die Ergebnisse einer Bewohnerbefragung zu den Themen „Müll“ sowie „Mieten und Wohnen“, die von Mitarbeitern des Bewohnernetzwerks für soziale Fragen (BSF) durchgeführt wurde.

Björn Drott, Sozialarbeiter beim BSF, berichtete, dass in Zukunft einmal im Monat, immer freitags von 12 bis 15 Uhr, eine Befragung stattfinden soll, stets zu einem anderen Thema. In dieser Zeit könnten bis zu 40 Personen befragt werden. Das BSF habe dabei keine spezielle Zielgruppe und plante, alle Passanten, die in dieser Zeit den Richtsberger Marktplatz passieren, zu befragen. „Das Thema Müll hat sehr polarisiert, jeder hatte was dazu zu sagen“, berichtete Drott von den Ergebnissen der ersten Umfrage. Dabei sehen gerade ältere Personen ein Problem, während sich jüngere Bewohner weniger daran stören würden. Probleme sehen die Befragten beispielsweise in verschmutzten Parkplätzen, einem Partytourismus nach 20 Uhr, Verpackungsmüll und generell in der Wegwerfmentalität.

Müllprobleme und marode Häuser sind Themen

Beim Thema „Mieten und Wohnen“ hätte sich der Sperrmüll als Hauptproblem herausgestellt. Viele Bewohner würden Sperrmüll im Garten oder Treppenhaus deponieren, beim Auszug im Keller zurücklassen oder einfach bei anderen Personen dazustellen. Darüber hinaus würden sich die Einwohner ­eine öffentliche Toilette wünschen. Viele Befragte äußerten auch, dass es schwierig sei, eine neue Wohnung zu finden und ältere­ Wohnhäuser renovierungsbedürftig seien.
Weitere Wünsche betrafen unter anderem einen besseren sozialen Umgang, mehr Einkaufsmöglichkeiten, Aufklärung zum Thema Sperrmüll und mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt. Vor allem Studenten wünschten sich eine direkte Busverbindung zum Stadtwald. Lotz-Halilovic bestätigte, dass viele der Themen auch den Ortsbeirat beschäftigen und schlug vor, bei Überschneidungen zusammen Termine zu vereinbaren, um die Anliegen gemeinsam vorzutragen.

von Stefanie Wellner