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Marburg Hat die Angeklagte vor Gericht gelogen?
Marburg Hat die Angeklagte vor Gericht gelogen?
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00:17 26.09.2018
Vor dem Amtsgericht Marburg muss sich eine Frau wegen Meineids verantworten, die vor drei Jahren unter Eid stehend eine Falschaussage vor dem Landgericht getätigt haben soll. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die mutmaßlich falsche Aussage einer angeklagten Mitarbeiterin eines Marburger Reinigungsunternehmens steht im Mittelpunkt des Meineid-Vorwurfs. Demnach ging es um folgenden Hintergrund: Im Dezember 2013 beauftragte die Reinigungsfirma einen ebenfalls in Marburg ansässigen Abschleppdienst, um eine große Ölspur zu beseitigen. Denn im Gegensatz zur beauftragenden Firma verfügte das Unternehmen über die dafür notwendigen Maschinen. Als der Auftrag vergeben wurde, habe der Geschäftsführer des Abschleppdienstes ihr zwar im Vorfeld keinen Festpreis für die anstehende Arbeit genannt, jedoch einen ungefähren Betrag von 3.000 Euro in Aussicht gestellt, so die Beschuldigte. Jedoch betrug die Rechnung an die Reinigungsfirma nach vollendeter Arbeit rund 12.000 Euro, die deren Versicherung nicht übernehmen wollte.

Es kam zur Anklage des Abschleppdienstes gegen die Reinigungsfirma wegen der nicht gezahlten Rechnung und schließlich im April 2015 zur Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht. Die Angeklagte sagte damals noch als Zeugin gegen den Geschäftsführer des Abschleppdienstes aus, der vehement bestritten hatte, eine ungefähre Preisauskunft gegeben zu haben. Auch seine beiden Mitarbeiterinnen hatten dies bestätigt und verlauten lassen, dass die kaufmännische Angestellte der Reinigungsfirma sich die Preisliste angeschaut und einige tariflichen Preise notiert hätte. Dem widersprach die jetzt Beschuldigte. Alle Zeugen wurden aufgrund ihrer stark abweichenden Aussagen in der Verhandlung im April 2015 unter Eid gestellt. Alle Zeugen blieben dennoch bei ihren Aussagen.

Im Schöffengericht am Amtsgericht Marburg, unter dem Vorsitz von Richter Dominik Best, wurden die Beschuldigte sowie der Geschäftsführer des Abschleppdienstes erneut vernommen. Zusätzlich wurden die beiden Handelsrichter der vorangegangenen Verhandlung gehört, die sich jedoch kaum mehr an die Sitzung erinnern konnten.

Einer der beiden Männer legte lediglich seine Notizen von dem besagten Gerichtstermin vor und konnte so noch einmal vergegenwärtigen, was die Beschuldigte als Zeugin und die beiden Mitarbeiterinnen des Abschleppdienstes ausgesagt hatten. Bezogen auf diese beiden Frauen stellten sich diese Notizen als hilfreich heraus, da beide Mitarbeiterinnen zwar erneut als Zeuginnen geladen waren, jedoch nicht zum angekündigten Termin erschienen.

Sowohl die Angeklagte als auch der Geschäftsführer des Abschleppdienstes blieben bei ihrer jeweiligen, sich widersprechenden Auskunft.

Nach kurzer Beratung beschloss Richter Best, den nächsten Verhandlungstag aufzuheben. Er versprach sich keine neuen Erkenntnisse, da bei diesem Termin lediglich Zeugen geladen seien, die bestätigen sollten, dass die Arbeit der Abschleppfirma zur Beseitigung der Ölspur im Nachhinein größer als angenommen gewesen sei. Daran zweifelt jedoch keine der Parteien, der Richter befand dies nicht als zentralen Streitpunkt der Angelegenheit.

  • Die Hauptverhandlung wird am 27. September 2018 um 14 Uhr mit weiteren Zeugen­aussagen fortgesetzt.

von Sina Schindler