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Marburg Hass-Angriff auf Marburger CDU-Politiker Bamberger
Marburg Hass-Angriff auf Marburger CDU-Politiker Bamberger
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09:08 17.10.2018
Aufregung um ein CDU-Wahlkampfgeschenk: Eine offenbar rechte Internetseite unterstellt Landtagskandidat Dirk Bamberger, hier im Gespräch mit OP-Redakteur Till Conrad, Mordwerkzeuge an Ausländer zu verteilen. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Ein Beitrag der Internetseite www.anonymousnews.ru sorgt bundesweit für Furore. Dort zu lesen: „Gratis-Messer für Merkels Gäste: Die CDU verteilt im Hessen-Wahlkampf jetzt die passenden Werkzeuge für den nächsten Mord an einem Deutschen. Das Messer mit CDU-Aufdruck könnte demnächst auch in Ihrem Bauch stecken.“

Der Eintrag bezieht sich auf ein Wahlkampfgeschenk von Bamberger, der neben Kugelschreibern auch Küchenmesser – typisch hessische Kneipchen – verteilt. Auf der Internetseite ist zudem ein Foto von Bambergers Wahlkampfstand zu sehen. Kommentiert wird dies mit folgendem Wortlaut: „Die CDU führt einen Wahlkampf der direkt auf Merkels Goldstücke ausgerichtet ist. Am Infostand werden sogar Messer für Merkels Messermänner verteilt.“

Bamberger reagierte gestern mit einem Internetvideo, in dem er „gewaltbereiten Rechtsextremisten und aggressiven Prolls von der AfD“ das Äpfelschneiden lehrt. Das Kneipchen sei „der Wahlkampf-Schlager schlechtin, und zwar seit Jahren“, sagt er auf OP-Anfrage.

Das wurde auf der Internetseite veröffentlicht. Screenshot: Tobias Hirsch

Die Geschäftsstelle der CDU Marburg-Biedenkopf sei gestern via E-Mail und auf den sozialen Netzwerken „mit Hasskommentaren bombadiert, mit Schmähungen überzogen“ worden, sagt Dirk Bamberger, CDU-Landtagskandidat auf OP-Anfrage. „Es erfordert eine grundhafte Bösartigkeit, solche Zusammenhänge herzustellen“, sagt er. Angesichts der massiven Weiterverbreitung sei er „erstaunt von so viel grassierender Dummheit“.

Die Konservativen vermuten AfD-Anhänger hinter der Aktion. Grund: Man habe alle Facebookprofile gesichtet und entdeckt, dass ein Großteil der Kommentatoren „mal offen, mal versteckt“ mit der AfD sympathisiere; vor allem aus Sachsen und anderen ostdeutschen Bundesländern.

Die Partei prüft nun jedenfalls Strafanzeige gegen den Betreiber der Seite, die auf .ru endet und auf russische Betreiberschaft hindeutet – theoretisch ist eine solche Seite aber von jedem erstellbar. „Was justiziabel ist, werden wir aufgreifen und entsprechend vorgehen“, sagt Bamberger.

von Björn Wisker und Nadine Weigel