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Hand in Hand: Lesen und Emanzipation

Frauen und Bücher Hand in Hand: Lesen und Emanzipation

Im Oktober erschien Stefan Bollmanns Buch „Frauen und Bücher: Eine Leidenschaft mit Folgen“. Am Sonntag präsentierte er seine Thesen auf Einladung der neuen Literarischen Gesellschaft.

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Autor Stefan Bollmann diskutiert nach der Lesung im Café Vetter mit einer Besucherin über seine Studie „Frauen und Bücher“.Foto: Benjamin Kaiser

Marburg. Woran denken Sie bei dem Namen Marilyn Monroe? Showbusiness, Sex, Schauspielerei? Doch die berühmteste Blondine Hollywoods war auch eine begeisterte Leserin, die sogar den „Ulysses“ vom irischen Literaten James Joyce verschlungen hatte. Jeder Literaturliebhaber wird bezeugen, dass dieses Werk nicht leicht zu lesen und schwierig zu verstehen ist.

Dies und viele weitere Besonderheiten des Verhältnisses zwischen „Frauen und Literatur“ stellte Stefan Bollmann 30 Gästen im Café Vetter vor.

Bollmann untersucht in seiner Studie „Frauen und Bücher“ das Verhältnis von Frauen zur Literatur. In diesem zeitreiseartigen Panorama, das im 18. Jahrhundert beginnt, rückt Bollmann in 16 Kapiteln verschiedene Protagonistinnen in den Fokus. Darunter Marilyn Monroe, Jane Austen und Sylvia Beach, die Verlegerin von Joyces „Ulysses“.

Stefan Bollmann, im Hauptberuf Lektor, hat an dieser Monografie mehr als zwei Jahre gefeilt. Dabei setzte er seinen Text immer wieder dem kritischen Auge und Verstand von Frauen in seinem Freundeskreis aus. „Ich bin anfangs ziemlich in Grund und Boden kritisiert worden“, sagt der gebürtige Düsseldorfer. „Man muss für jedes Buch einen eigenen Ton und Duktus finden. Da dieses Buch den Frauen der Schöpfung gewidmet ist, muss es eben auch den weiblichen Nerv treffen. Das war anfangs sehr schwierig für mich.“ Vor 250 Jahren waren Frauen meist gezwungen ein sehr zurückgezogenes und eingeschränktes Leben im häuslichen Verband zu führen, betonte der Autor. Die Kerze der Aufklärung sei noch nicht entflammt und der Geist der Französischen Revolution noch nicht entwickelt gewesen. Feudalistische und patriarchalische Strukturen herrschten vor. Domänen der Frau waren zumeist Küche, Kirche, Kinder - die „drei großen K“.

Das Verlangen nach Freiheit sei von Reise- und Liebesromanen genährt worden. Literatur habe den Frauen gezeigt, dass es eine andere, eine bessere Welt gebe.

„Die These des Buches ist, dass die Emanzipation und die Entwicklung des Lesens ab dem 18. Jahrhundert Hand in Hand gegangen sind. Eine Flucht vor der engen Realität mithilfe von Literatur aber auch eine gestärkte Rückkehr, da die Frauen das Gelesene auf ihre missliche Lage anzuwenden suchten“, erklärt der Autor.

Bollmann entwirft in seinem Werk das Bild vom häuslichen Lesesessel als „Gebärmutter der emanzipierten Frau der Gegenwart“, die ihrer durch Literatur geweckte Sehnsucht nach Freiheit im 20. Jahrhundert letztlich Rechnung getragen hat.

Nach der Lesung entwickelte sich eine Fragerunde, in der so manche Themen kontrovers diskutiert wurden. Anschließend kauften viele der Besucher das Buch oder ließen sich ihr bereits gelesenes Exemplar von Stefan Bollmann signieren.

Stefan Bollmann: „Frauen und Bücher. Eine Leidenschaft mit Folgen“, Deutsche -Verlags-Anstalt, 448 Seiten, 22,99 Euro.

von Benjamin Kaiser

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