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Haft für sexuelle Nötigung

Aus dem Amtsgericht Haft für sexuelle Nötigung

Erst nach mehr als sechs Jahren wurde ein Fall von sexueller Nötigung vor dem Amtsgericht in Marburg verhandelt. Dies lag daran, dass sich der Angeklagte für mehr als fünf Jahre in seinem Geburtsland Ghana aufhielt.

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Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der Vorfall, so Staatsanwältin Sarah Otto ereignete sich am 22. Januar 2012 in der Wohnung einer Marburgerin. Der Angeklagte hatte die Tochter der Wohnungsmieterin im Internet kennengelernt und eine Beziehung mit ihr begonnen. Zum Zeitpunkt der Tat bestand diese aber nicht mehr.

Man habe den inzwischen nur noch „Freund“ in der Wohnung untergebracht, weil dieser seine Wohnung bei einem Verwandten wegen großer Probleme und letztlich wegen ausgetauschter Schlösser nicht mehr habe betreten können.
So habe laut Aussage der Mutter der Angeklagte für ein bis zwei Monate im Schlafzimmer der Tochter, die Tochter im Schlafzimmer der Mutter und die Mutter im Wohnzimmer genächtigt.

Unterschiedlich gerieten dann die Darstellungen zum Tathergang, wobei die Aussagen von Mutter und Tochter stark belastend waren und weitgehend übereinstimmten. Am Morgen des 22. Januar 2012 habe der Angeklagte mit seiner Ex-Freundin reden wollen. Diese habe die Nacht mit der Mutter im Wohnzimmer vor dem Fernseher zugebracht, sei letztlich eingeschlafen und noch müde gewesen. Sie sei dann ins Schlafzimmer der Mutter geflüchtet und dachte, dort in Ruhe gelassen zu werden. Doch der Angeklagte sei ihr gefolgt, habe sich letztlich neben sie gelegt und versucht, ihre Unterhose herunterzuziehen. Während sie mit einer Hand versuchte, ihre Hose wieder heraufzuziehen, war sie mit der anderen Hand bemüht, sich den „Zudringling“ vom Leibe zu halten. Ein Versuch, sich auf den Balkon zu retten und um Hilfe zu rufen, habe er erfolgreich vereitelt.

Zeuge: „Weißes T-Shirt auf dunkler Haut“

Schließlich sei die Mutter, von den Hilferufen ihrer Tochter erwacht, in der Tür erschienen. Auch ihre Bemühungen, das Treiben zu unterbinden, scheiterten. Sie beschrieb die Situation so, dass ihre Tochter im Bett unten liegend versuchte, dem zudringlichen Mann auszuweichen, während dieser seine Position oben liegend versuchte zu behaupten.

Erst als ein Nachbar zu Hilfe gerufen wurde, ließ der Angeklagte von der Ex-Freundin ab und sei mit ihm in dessen Wohnung gegangen. Nach einem kurzen Gespräch habe der Angeklagte dann seine Sachen gepackt und sei ausgezogen.

Eine Reihe von Fragen blieben nach so langer Zeit ungeklärt. Dazu zählte auch, ob der Angeklagte noch seine Unterhose angehabt habe.

An ein „weißes T-Shirt auf dunkler Haut“ konnte sich der aus Potsdam angereiste Nachbar jedenfalls noch gut erinnern. Ungeklärt auch, ob der Angeklagte, der von der Mutter als „eigentlich lieber Kerl“ bezeichnet wurde, zuvor Drogen konsumiert hatte.

Das Strafregister des Angeklagten umfasst acht Vorstrafen unterschiedlicher Art von Hausfriedensbruch über Körperverletzung, Behinderung von Vollstreckungsbeamten bis hin zu Fahren ohne Fahrerlaubnis. Zum Tatzeitpunkt hat der Angeklagte noch unter Bewährung gestanden.

Dieser war nach der Wiedereinreise nach Deutschland im Dezember 2017 am Frankfurter Flughafen verhaftet worden, ist inzwischen aber unter Auflagen auf freiem Fuße.

Pflichtverteidiger plädiert auf Bewährung

Während die Staatsanwaltschaft zwei Jahre und sechs Monate für eine angemessene Strafe hielt, forderte Pflichtverteidiger Klaus-Michael Bott ein Strafmaß, das zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Nach kurzer Beratung entschied das Schöffengericht auf zwei Jahre und drei Monate, nicht zuletzt deswegen, weil derzeit keine positive Sozialprognose gestellt werden könne.

Ob die Verteidigung gegen das Urteil Berufung einlegen wird, ist noch offen.

von Heinz-Dieter Henkel

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