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Marburg Premiere für Kult-Musical "Cabaret"
Marburg Premiere für Kult-Musical "Cabaret"
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14:00 23.02.2019
Der Vorhang öffnet sich für den KitKatKlub. Die „Showgirls“(Mechthild Grabner, Simon Olubowale, Jorien Gradenwitz und Lisa Grosche, von links) um den Conférencier (Ben Knop) bringen das Publikum in Schwung. Quelle: Jan Bosch
Marburg

So wünscht man sich das als Theatermacher: Die Premiere am Samstagabend um 19.30 Uhr im Erwin-Piscator-Haus ist bereits ausverkauft. Und für die zweite Aufführung am kommenden Dienstag gibt es nur noch zwei Karten. Am 2. März geht das Ensemble mit dem Musical auf Gastspielreise nach Biedenkopf. In Marburg ist „Cabaret“ dann erst wieder am 20. und 21. März zu sehen – und auch dafür sind die ersten Karten bereits weg.

Am späten Samstagabend lohnt es sich dennoch, auch ohne Karten, das Erwin-Piscator-Haus zu besuchen. Im Anschluss an die Premiere beginnt gegen 22 Uhr die öffentliche Premierenfeier – eine Elektro-Swing-Party im 20er-Jahre-Look. Gefeiert werden soll „im Glanze der 20er-Jahre mit Federboa und beschwingten Charleston-Schritten“ zu Elektro-Swing. Es gibt auch eine Foto-Box. Die Motto-Premierenfeier ist für alle geöffnet und das schönste Kostüm hat die Chance auf einen Preis.

Die Konkurrenz aber wird groß sein. Am vergangenen Sonntag wurden beim „Tee und Kaffee mit ihrem HLTM“ von der Intendantin und Regisseurin Carola Unser exklusive 20er-Jahre-Kostüme versteigert. Die Unikate stammten von Kostümbildner und Dozent Jörn Fröhlich, seiner Assistentin Cansu Incesu und ihren Studierenden an der Fakultät für Kunst und Gestaltung an der University of Economics im türkischen Izmir. „Die Kostüme im klassischen Charleston-Schick und dekonstruierten 20er-Jahre-Silhouetten mit tiefer Taille aus schwarzem Krepp und Satin“ fanden reißenden Absatz, teilte Landestheater-Pressesprecherin Lisa Hedler mit. Präsentiert wurden die Unikate in einer Modenschau von den Ensemblemitgliedern Romy Lehmann, Zenzi Huber und Saskia Boden-Dilling sowie zwei Mitgliedern der Experimentierbande des Theaters. Der Erlös der Versteigerung geht an zu einem Teil an die Studierenden in der Türkei und in den Sozialfonds des Theaters.

Es ist ein "Tanz auf dem Vulkan"

Für die Premierenbesucher heißt es am Samstag ab 19.30 Uhr „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ im KitKatKlub. Dort wird gefeiert und getanzt, möglichst glamourös, möglichst wild. Scheinbar nichts trübt die Laune der Berliner ­Bohéme. Das Berlin der späten 20er-Jahre ist eine pulsierende Stadt, die wie heute Künstler und junge Menschen aus der ganzen Welt anlockt. In „Cabaret“ ist es der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw, der sich in die Nachtclubsängerin Sally Bowles verliebt.
Es sind die sogenannten „Goldenen 20er-Jahre“. Drinnen tanzt man Charleston, während draußen vor der Tür bereits die Nazis aufmarschieren, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit ihren Tribut verlangen. Es ist ein „Tanz auf dem Vulkan“.

„Cabaret“ wurde 1966 in New York uraufgeführt. Das Musical von John Kander (Musik), Fred Ebb (Liedtexte) und Joe Masteroff (Buch) wurde vielfach ausgezeichnet,unter anderem mit elf Tony Awards, dem Musical-
Oscar. Berühmt ist auch die Verfilmung mit Liza Minelli aus dem Jahr 1972, die acht Oscars erhielt.

„Der Musical-Klassiker aus dem Jahr 1966 gewinnt in Zeiten weltweit wieder auflebender nationalistischer Tendenzen an Brisanz und zeigt neben beliebten Songs und faszinierenden Choreografien auch die Folgen politischer Teilnahmslosigkeit“, betont das Landestheater, das mit ganz großer Besetzung auffährt: 13 Darstellerinnen und Darsteller und eine fünfköpfige KitKatKlub-Band bringen es auf die größte Marburger Bühne.

Bislang sind bis zum 17. Mai acht Vorstellungen im Marburger Erwin-Piscator-Haus sowie zwei Gastspiele des Musicals ­geplant.

von Uwe Badouin