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Marburg Gute-Laune-Musik zum Saisonstart
Marburg Gute-Laune-Musik zum Saisonstart
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17:18 19.10.2014
Der Marburger Konzertverein bot am Samstag das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag, das unter der Leitung von Ratislav Stur spielte. Am Cello in der Bildmitte ist Petr Nouzovský zu sehen. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Vor vier Jahren kamen 650 Besucher in die Stadthalle, diesmal 500 ins Audimax. Es hätten mehr sein können, wenn Absprachen unter Konzertveranstaltern in Marburg besser funktionierten. So gab es zeitgleich zur Eröffnung der Konzertverein-Saison in der Aula der Alten Universität ein Benefizkonzert für das Kunstmuseum (siehe Bericht auf Seite 30) - eine für Musikfreunde ärgerliche und vermeidbare Konkurrenz, zumal der Konzert­verein bereits zu Beginn der aktuellen Saison die Termine für die kommende bekannt gibt.

Wer sich am Samstag für den Konzertverein entschieden hatte, dürfte diesen Entschluss nicht bereut haben. Das Publikum erlebte mit dem Kammerorchester des Nationaltheaters Prag ein internationales Spitzenorchester, wie es lange nicht mehr in Marburg gastiert hat. Obwohl nur knapp 40 Mitglieder stark, erzeugt es mühelos die Klangfülle eines großen Sinfonieorchesters und bewahrt sich dabei stets den kammermusikalischen Feinschliff. Und an jedem Pult musizieren Instrumentalisten, die als Solisten überzeugen - was der Tatsache geschuldet ist, dass ihr Hauptgeschäft das musikalische Miteinander mit dem vielleicht schönsten Instrument ist, der menschlichen Stimme.

Ihr Dirigent Rastislav Štúr beherrscht als Opernkapellmeister ebenfalls die hohe Kunst des Begleitens. Und mit seiner sympathisch schnörkellosen, punktgenauen Zeichengebung gelingt es ihm immer wieder, das Orchester singen zu lassen.

Im ersten Teil des Programms musizierte es in idealer Partnerschaft mit einem eindringlichen Sänger auf dem Violoncello, Petr Nouzovský. Er widmete sich zwei hochvirtuosen, aber zugleich auch lyrische Qualitäten verlangenden Meisterwerken des späten 19. Jahrhunderts, deren Komponisten dort zurückblicken auf die Epoche der musikalischen Klassik. Mit schlankem Ton meisterte Nouzovský mühelos die technischen Herausforderungen im a-Moll-Konzert von Camille Saint-Saëns und in den „Rokoko“-Variationen von Peter Tschaikowsky. Des Cellisten beseelter Belcanto in der d-Moll-Variation ließ Opernfreunde an die etwa zeitgleich entstandene Puschkin-Oper „Eugen Onegin“ denken. Mit dem „Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ als Zugabe knüpfte Nouzovský an seine feinsinnige Wiedergabe des neoklassizistischen Menuetts im Saint-Saëns-Konzert an.

Den zweiten Teil des Abends hatte das Orchester ganz für sich. Mit zwei der zehn „Legenden“ op. 59, dem besinnlichen Gegenstück der urwüchsig-kraftvollen „Slawischen Tänze“ op. 46, huldigten die Prager Musiker kongenial einem ihrer größten Komponisten, Antonin Dvorák. Und die auf zahlreiche Vorbilder wie Haydn, Beethoven und Rossini aufbauende „kleine“ C-Dur-Sinfonie von Franz Schubert erfuhr durch sie eine im besten Sinne musikantische, musikalisch ausgefeilte und vor guter Laune nur so sprühende Wiedergabe.

Die bereitwillig gewährten Zugaben bescherten dem Publikum ein Déjà-vu-Erlebnis. Das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag spielte dieselben Stücke wie vor vier Jahren: Dvoráks „Slawischen Tanz“ e-Moll op. 72, eine melancholische Mazurka, und die feurig voranstürmende „Figaro“-Ouvertüre von Mozart, der in der „Goldenen Stadt“ besonders glücklich war, nicht zuletzt durch die Uraufführung seiner vielleicht bedeutendsten Oper „Don Giovanni“.

von Michael Arndt

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