Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Groteske Komödie über Migration und Globalisierung
Marburg Groteske Komödie über Migration und Globalisierung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:23 23.04.2017
Tobias Fritzsche (links) und Andrea Té in einer Szene aus „Wie ich die Wolken beneide“.Foto: Nadja Schwazwäller
Marburg

Wie soll man das alles nur verstehen? Die Sache mit der Wiedergeburt zum Beispiel - auf den Tod folgt ein Strand? Warum muss man als Flaschengeist immer die Wünsche größenwahnsinniger Gauner erfüllen? Ist es legal, eine Firma (das komplette Gebäude) von einem Ort an den anderen zu versetzen? Der Autor und Regisseur Andrea Tè packt das Thema Migration in eine groteske Komödie und nimmt die Zuschauer in der Produktion des „Theater GegenStand“ mit auf eine Reise.

Mit der beginnt das Stück auch: „Als ich elf Jahre alt war, musste ich meine Stadt verlassen.“ Diese Erinnerung von Andrea Tè ist eine reale. Die Familie zog von Italien nach Deutschland. In beiden Städten war alles gut, erzählt er am Ende der Premiere am Donnerstagabend in der Waggonhalle. Aber das Gefühl von Entwurzelung war dennoch da.

„Wer Mut hat, schaut nach vorn“, liest Johanna Adolf zu Beginn der ersten Szene. Andrea Té und seine Familie, sie schauten nach oben. Und er stellte fest, „wie ich die Wolken beneide“. So hat er sein Stück nun genannt. Die erste Szene spielt an einem Strand. Eine Frau ist dort gestrandet. Ihr „Motivationstrainer“ versucht ihr entnervt zu erklären, dass sie tot ist und, um in ein neues Leben zu gelangen, das tosende Meer hinter der Tür durchqueren muss. Hölle und Paradies sind leider voll.

40 Euro für zwei Koffein­pillen, die gar keine sind - der Trainer muss ja auch sehen, wo er bleibt. „Wer hätte gedacht, dass eine Wiedergeburt so erbarmungslos sein kann.“

In der zweiten Szene spielt Andrea Tés Heimat Italien erneut eine Rolle. Als Ort von illegaler Giftmüll-Entsorgung, von kriminellen Machenschaften. Ein Arbeiter, der keine Frage stellt und viel lieber singen und bei einer Reality-Show im Fernsehen Karriere machen würde.

Da trifft es sich prima, dass er einen Flaschengeist aus einer Lampe befreit. Der ist furchtbar genervt, dauernd Wahlergebnisse fälschen oder andere moralisch bedenkliche Wünsche erfüllen zu müssen. Er bittet den Arbeiter, seinen dritten Wunsch darauf zu verwenden, ihn für immer unauffindbar zu verstecken.

Szene drei: ein kleines Dorf in der Nähe von Modena, wo eine komplette Firma während der Ferien verschwindet. Als die Arbeiter ihre Arbeit wieder aufnehmen wollen ist alles weg, inklusive eines Wächters. Der Commissario ist elektrisiert: endlich mal etwas anderes als ein Hühnerdiebstahl. Aber - ist das alles legal? Die Firma wird in Polen wiedergefunden und es stellt sich heraus: sehr wohl legal. Willkommen in der Globalisierung, in der auch Menschen verloren gehen.

Andrea Té ist nicht nur Autor und Regisseur von „Wie ich die Wolken beneide“. Auch auf der Bühne ist er neben den Schauspielern Johanna Adolf und Tobias Fritzsche sowie Kai Ramon an der Gitarre die dominante Kraft. Insbesondere zum Commissario passte der italienische Akzent natürlich perfekt. Sein Stück setzt mit minimaler Requisite einige wunderbare Ideen um. Und das Label „groteske Komödie“ trägt es zu recht.

von Nadja Schwarzwäller

Marburg Schauspieler treffen Politiker - Viel Theater für nichts?

Schlechte Bezahlung, unsichere Arbeitsverträge, Konkurrenzdruck: Bundesweit trafen sich vergangene Woche tausende Theatermitarbeiter mit Abgeordneten, um sie auf Probleme im ihrem Beruf aufmerksam zu machen.

11.03.2018

Wer im Herbst Pflanzen- und Tierschutz betreibt, erspart sich im Frühjahr viel Ärger.

05.10.2016

Die Beete in den Gärten sind weitgehend abgeerntet. Nun wird es Zeit, für den Herbst und Winter vorzusorgen. Den freien Platz kann man zur Neueinsaat nutzen.

25.09.2016