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Marburg Große Werke, ungewöhnliche Besetzung
Marburg Große Werke, ungewöhnliche Besetzung
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18:19 10.11.2013
Die Musiker des Arte-Ensembles erzeugtem in Audimax eine ausgeruhte Stimmung – und hielten dabei trotzdem die Spannung. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Vor 200 Jahren am 19. November 1823 komponierte Franz Schubert seine „Fünf Menuette mit sechs Trios“ aus D 89. Damit begann das Konzert am Samstag. Der Kontrast im ersten Satz zwischen dem kräftig schwungvollen Hauptthema und dem feinen Seitenthema mit den zarten Klängen von Kathrin Rebus an der ersten Geige kam wunderbar zur Geltung.

Schnelle Tanzrhythmen und fließende Passagen verdeutlichten den Fokus auf die Spielbarkeit in diesem Frühwerk Schuberts. Der Kontrabass als Erweiterung der Streichquartettbesetzung - in der das Werk auch gespielt wurde - verstärkte die tänzerische Wirkung der Musik, die stark an Gesellschaftsmusik erinnerte.

Filigraner war der Beginn von Antonín Dvoráks Quintett G-Dur, mit dem der tschechische Komponist 1875 in Prag seinen ersten Komponistenpreis gewann. Eigentlich als Opus 18 bezeichnet, wurde es beim späteren Druck 1888 als op. 77 aufgeführt. Dvorák nutzte die ungewöhnliche Besetzung des Kontrabasses, um Akzente zu setzen und Themen zu verstärken. So begann gleich Albert Sommer am Kontrabass zu Beginn des ersten Satzes. Es folgte nacheinander der Einsatz der anderen Instrumente, die sie sich in melodischen Tanz zusammenfinden, mit rhythmischen Akzenten durch Albert Sommer, sowie Nikolai Schneider am Cello. Sehr ungewohnt als zweiter Satz erklang ein Scherzo mit kräftigem Hauptthema und einem sehr lieblichem, lyrischem Seitenthema. In der Urfassung war dem Scherzo ein langsamer Satz „Andante religoso“ als Intermezzo vorangestellt, das Dvorák selbst jedoch 1883 wieder aus dem Streichquintett entfernte und als Notturno für Streichorchester op. 40 separat veröffentlichte.

Ein ganz großes Werk erwartete nach der Pause mit Schuberts Quintett C-Dur D 956 das Publikum. Nur zwei Monate vor seinem Tod schrieb Schubert dieses großartige Kammermusik-Werk, das in sich seine drei großen Gattungen Sinfonie, Kammermusik und Gesang vereinte. Hoch konzentriert spielten Kathrin Rebus und Theresia Vit an der Geige, Christian Pohl an der Bratsche und in doppelter Cello-Besetzung Nikolai Schneider und Ute Sommer. Dabei überzeugten sie vor allem in den leisen Passagen, wie dem „Trio - Andante sostenuto“ im dritten Satz. Langsam und gefühlvoll beruhigte sich hier die Musik vom vorangegangenen kraftvollen Scherzo.

Die fünf Musiker schafften es gerade bei den sehr ruhigen Stellen, eine sehr ausgeruhte Stimmung zu erzeugen und dabei trotzdem die Spannung zu halten. Auch der Wechsel vom Scherzo zum Trio und wieder zurück gelang ihnen fabelhaft. Schubert wählte bei seinem Streichquintett ein zweites Cello statt einer zweiten Bratsche, wie noch bei Mozart oder Beethoven üblich. Beim wunderschönen Miteinander der beiden Celli im Seitenthema des ersten Satzes wurde sehr schön deutlich, dass das zweite Cello keine bloße Verstärkung, sondern eine Ergänzung der tiefen Stimme bedeutete.

Im zweiten Satz spürte man besonders die Klangtiefe, die durch das zweite Cello entstand und dem Werk seinen wehmütigen, orchestralen Gesamtklang verlieh. Hier war auch der feine Sinn des Arte-Ensembles für die Dynamik deutlich zu hören - und das nicht nur beim Kontrast des Mittelteils zum Anfang und Ende. Nach dem feurigen Schlusssatz mit ungarischen Tanzeinflüssen erntete das Arte-Ensemble langen, kräftigen Applaus und einzelne „Bravo“-Rufe.

von Mareike Bader

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