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Marburg Grippeimpfstoff wird im Landkreis knapp
Marburg Grippeimpfstoff wird im Landkreis knapp
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00:21 25.11.2018
Rund 15.000 Impfdosen gegen Grippe bestellt die Ärztegenossenschaft Prima im Jahr für den Landkreis. Quelle: Martin Schutt / dpa
Marburg

In Deutschland und auch in Hessen werden die Vorräte an Grippeimpfstoffen geringer. Dies gab der hessische Apothekerverband bekannt. Demnach seien seit dieser Woche die Vorräte erschöpft. Der Stadtallendorfer Arzt Dr. Ortwin Schuchardt kann dies bestätigen. „Früher war mein Kühlschrank voll, jetzt habe ich vielleicht noch zwanzig Impfdosen“, sagt er. Grund zur Sorge sieht Schuchardt aber nicht. „Ich gehe davon aus, dass wir bis Jahresende alle Menschen impfen können, die deswegen zu uns kommen“, sagt er.

Schuchardt ist Pressesprecher der Prima-Ärztegenossenschaft im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Bei Prima sind etwa drei Viertel aller Ärzte im Landkreis Mitglied. Am Anfang eines Jahres fragt Prima den Bedarf der Mitgliedsärzte ab. Dann erfolgt eine gemeinsame Bestellung bei einem Großhändler. In diesem Jahr habe Prima etwa 15.000 Impfdosen bestellt. „Seit Jahren verfahren wir so. Bisher haben wir damit noch keine Probleme gehabt“, sagt Schuchardt.

Todesfälle rütteln die Menschen auf

Jetzt wird der Impfstoff aber auch im Landkreis knapp. Für Schuchardt hat der Engpass zwei Gründe. Zum einen würden sich die Menschen früher als sonst impfen lassen und zum anderen sei auch der Wunsch nach einer Grippeimpfung größer geworden. Schuchardt vermutet, dass die schlimme Grippewelle in der vergangenen Wintersaison mit mehreren Toten den Ausschlag für die erhöhte Nachfrage gegeben hat. „Das hat die Leute aufgerüttelt“, sagt er. Ein weiterer Grund könne der nun als Kassenleistung verfügbare Vierfach-Impfstoff sein. Er gilt als wirksamer als derjenige mit drei Komponenten.

Schuchardt hofft, dass die ungeimpften Menschen im Kreis trotz der Knappheit „vernünftig“ bleiben. Wenn jeder sofort zu seinem Arzt renne, verschärfe sich das Problem nur zusätzlich. Durch die Organisationsstruktur im Landkreis sei die Versorgung hier noch „ganz gut. Unser Wagen fährt noch, aber es ruckelt ein bisschen“, sagt Schuchardt. Er selbst wolle seinen verbliebenen Impfstoff an Kollegen weitergeben, die derzeit nichts mehr haben.

Gesundheitsminister lockert die Vorschriften

In anderen Kreisen sei die Situation schlechter, auch weil die Ärzte dort nicht gemeinschaftlich organisiert seien. Problematisch ist zudem, dass in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Strukturen herrschen. Es gelten verschiedene Vertragsverhältnisse. „Wir haben ein Verteilungs- und Herstellungsproblem in Deutschland“, sagt Schuchardt.

Angesichts der regionalen Engpässe hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschriften für die Beschaffung von Grippeimpfstoffen gelockert. Demnach können die Bundesländer bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff versorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe in den Apotheken abgegeben werden dürfen. „Klar muss sein: Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können“, sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Insgesamt seien bislang in Deutschland 15,7 Millionen Dosen verfügbar.

Der hessische Hausärzteverband hat indes bisher keinen Engpass bemerkt. „Normalerweise bevorraten sich die Praxen rechtzeitig im Rahmen ihrer praxisinternen Notwendigkeit“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hessen, Armin Beck. „Uns ist nicht bekannt, dass hier ein Mangel in bestimmten Bereichen vorliegt.“ Von Lieferengpässen war dem Hausärzteverband zunächst nichts bekannt: „Nachbestellungen sind bisher immer geliefert worden.“

von Tobias Kunz