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Marburg Greifbare Grenzenlosigkeit
Marburg Greifbare Grenzenlosigkeit
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18:33 10.12.2013
Doris Conrads steht neben einem ihrer großformatigen Wolkenbilder. Zu sehen sind sie in der ­kleinen Lorraine Ogilvie Gallery in der Ketzerbach.Privatfoto
Marburg

„Sie brauchen eine größere Galerie!“ Diesen Satz hörte Galerist Dr. Michael Herrmann am Freitagabend in den Räumen seiner „Lorraine Ogilvie Gallery“ öfter. Die Vernissage der Ausstellung „Wolkenbilder“ war so gut besucht, dass man die Exponate kaum sehen konnte.

An der Städelschule in Frankfurt ausgebildet, seit 1980 in Marburg lebend, setzt sich Doris Conrads schon seit 25 Jahren formal mit dem Begriff der Unendlichkeit auseinander. Conrads beschreibt ihre Arbeiten selber als „den Versuch, Licht und Raum mittels des gestalterischen Prozesses zu begreifen“.

Diesmal gleitet ihr Augenmerk von den Sternen zu den Wolken und rückt damit dem Irdischen ein wenig näher. In ihren Bildern ist Conrads Sehnsucht nach Grenzenlosigkeit deutlich spürbar. Schicht für Schicht trägt sie behutsam Aquarell oder Kreide auf, bis sich diese zu abstrakten Wolkenbildern verdichten.

Diese Arbeitsprozesse dauern mehrere Wochen. Die langsame und filigrane Arbeitsweise, die Doris Conrads hierbei anwendet, steht genauso wie ihre großformatigen, farblich reduzierten Bilder im Kontrast zu unserer Gesellschaft, die von Hektik und Schnelllebigkeit dominiert ist.

Ihre Wolkenbilder wollen keine Botschaft vermitteln, sie bieten vielmehr eine Projektionsfläche für die eigenen Gedanken und Assoziationen des Betrachters. Warum Wolken? Weil sie kommen und gehen, weder Herkunft noch Zukunft besitzen und immer einen einmaligen Eindruck darstellen, erklärt die Künstlerin. Conrads gelingt es auf spannende Weise, in ihren Werken einen Moment festzuhalten, der sich selber widerspricht. Denn wie will man Unendlichkeit darstellen? Für einen kurzen Augenblick wird in ihren Wolkenbildern die Grenzenlosigkeit greifbar.

Neben den Wolkenbildern zeigt ein kleiner Teil der Ausstellung Fotografien Conrads. Sie sind nüchtern in schwarz-weiß gehalten und stellen die karge, atmosphärische Landschaft Islands dar.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Januar in der Lorraine Ogilvie Gallery, Ketzerbach 31, zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr.

von Johanna Wenzel

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