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Marburg Gratis Bus fahren: Die Debatte in der Stadt
Marburg Gratis Bus fahren: Die Debatte in der Stadt
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17:09 21.02.2018
Gratis-ÖPNV? In Marburg wird das seit Jahren diskutiert. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Zwischen zwölf und 14 Millionen Euro pro Jahr sollen die Kosten für ein Gratis-Bussystem nach Angaben des Magistrats liegen. Das geht unter anderem auf eine Antwort der Stadtspitze auf eine Kleine Anfrage aus dem Jahr 2016 hervor, wonach für solch einen Schritt mindestens eine Million Euro pro Monat zu kalkulieren sei. Laut ­Kämmerei der Stadt müsste für eine Gegenfinan­zierung einer ­Busfahr-Flatrate die Gewerbesteuer auf mindestens 480 Punkte angehoben werden.

Ein Vorhaben, das der Magistrat und die ZIMT-Regierung ablehnen. Vor allem Stadtverordnete der Linken und Piratenpartei, die bereits vor fünf Jahren eine Initiative zum fahrscheinlosen Busfahren in Marburg gestartet haben, und zuletzt auch der Grünen fordern Steuererhöhungsschritte, um zu einem Gratis-ÖPNV in der Universitätsstadt zu gelangen.

Debatte um Gratis-ÖPNV könnte Wahlkampf prägen

Auch eine wie nun von Tübingens Oberbürgermeister angedachte Pauschal-Abgabe, die alle Bürger einer Stadt für einen faktischen Gratis-ÖPNV zahlen müssten – also ähnlich des Semesterticket-Modells an der Philipps-Universität –, wurde in der Vergangenheit bereits in Marburg vorgeschlagen. Eine Probe des Gratis-Busfahrens gab es vor drei Jahren, als die Stadt das Gratis-Busfahren an allen Adventssamstagen ermöglichte.

So oder so: Kostenloses Busfahren gilt nach Auffassung ­einiger Kommunalpolitiker als mögliches zentrales Wahlkampfthema für eine der nächsten beiden Wahlen in Marburg. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) verweist angesichts des Bundesregierungs-Vorstoßes in der vergangenen Woche auf die Handlungsbeschränkungen der Kommune als Mitglied im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV): „Irgendwelche ÖPNV-Ideen aus Berlin bedeuten für uns erst mal noch nichts, aber wir werden die neuen Bestrebungen und Ansätze auch für uns zu nutzen versuchen.“

RMV: Infrastruktur gibt kostenlosen Nahverkehr nicht her

Der RMV, der die Kosten auf 900 Millionen Euro pro Jahr beziffert, hält den ÖPNV-Vorstoß aus praktischen Gründen für unmöglich: Die Infrastruktur, die etwa in Bezug auf Züge vielerorts auf dem Stand von Ende der 1970er-Jahre sei, könne das gar nicht verkraften.

Strukturell läuft der ÖPNV so: Die Stadt Marburg beauftragt ihr Tochterunternehmen Stadtwerke damit, mit Bussen im Stadtgebiet einen bestimmten Umfang an Kilometern pro Jahr zu fahren – rund drei Millionen auf verschiedenen Strecken. Die Leistungserbringung bezahlt die Kommune, jährlich werden so Millionenbeträge fällig.

von Björn Wisker