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Grandioser Start in die Adventskonzerte

Collegium musicum Stadtallendorf Grandioser Start in die Adventskonzerte

Volkmar Krafft, Urgestein des Collegium musicum Stadtallendorf und Pianist erster Güte, eröffnete das Programm des 1. Stadtallendorfer Adventskonzertes am Sonntag mit dem Orgelkonzert Nr. 4 in F-Dur von Georg Friedrich Händel.

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Zaiga Vilde entlockte ihrem zitherartigen Instrument Kokle wunderbare Klangteppiche.Foto: Hans Christian Malzahn

Stadtallendorf. Als Zwischenmusiken zu seinen Opern komponierte Händel sechs dieser Konzerte für eigens von ihm entworfene Kleinorgeln ohne Pedal. Krafft saß mit seinem elektronisch verstärkten Instrument inmitten des Orchesters und konnte so seine Virtuosität und Spielfreude voll entfalten - im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Ort des Geschehens.

Einsätze, Temporegulierungen und Artikulation wurden wieder einmal vom Leiter des Orchesters, Georgi Kalaidjiev, souverän vom ersten Pult aus gesteuert. Peter Sanders und Gottfried Köll (Gießen), beides Oboisten, ergänzten den Orchesterklang mit weichem und schönem Spiel.

Eigentlich als „Intermezzo“ und als Ruhe vor dem Sturm - es sollte ja noch Beethovens 1. Sinfonie erklingen - war der Auftritt der jungen Künstlerin aus Lettland gedacht. Zaiga Vilde entlockte ihrem Instrument, einer sogenannten Kokle, wahrhaft himmlische Klänge, die überhaupt nicht nach alpenländischer Zithermusik klangen. Mit streichelnder Fingerfertigkeit entlockte sie dem 32-saitigen Instrument Klangteppiche und Melodien, die, obwohl nicht elektronisch verstärkt, den Kirchenraum füllten. Johann Baptist Krumpholz, Bernard Andrès und Vilnis Salaks waren die Komponisten dieser wohltuenden und entspannenden Musik. Das letztere Werk - „Udentinis, akmentinis“ von Salaks - wurde mit Streicherklängen des Collegium musicum untermalt.

Wo schon bekommt man Beethovens Erste zum Nulltarif? Am vergangenen Adventssonntag konnte man sie haben. Wer hätte gedacht, dass sich ein Liebhaberorchester, das hauptsächlich im kammermusikalischen Bereich zuhause ist, sich an dieses Mammutwerk herantraute.

Ergänzt durch fabelhafte professionelle Bläser und Pauken, und „nur“ drei zusätzlichen Aushilfsstreichern, führte das Orchester dieses Werk auf, das 1800 seine Uraufführung hatte. Aufgrund der komplexen Anlage dieses Werkes mit seinen unterschiedlichen Tempi, Einsätzen und dynamischen Abstufungen ist es einem auch so kompetenten Leiter, wie es Georgi Kalaidjiev nun einmal ist, nicht möglich, die Musiker und die Musik zu bändigen. Kurzerhand bediente man sich dann eines Profis: Der studierte Kontrabassist Jochen Heibertshausen übernahm für dieses Werk den Dirigentenstab. In den letzten Proben führte er das Orchester hin zu der großartigen Leistung, die es an diesem Abend ablieferte. Es war schon ein bemerkenswertes Wagnis, was sich das Collegium musicum auf die Agenda schrieb! Und es hat sich gelohnt. Stehende Ovationen und der Wunsch nach einer Zugabe belohnte das Orchester für diese Leistung.

von Hans Christian Malzahn

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