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Marburg Schrubben für ein schöneres Stadtbild
Marburg Schrubben für ein schöneres Stadtbild
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00:21 26.07.2018
Dirk Bamberger (von rechts), Stefan Oberhansl und Oliver Hahn griffen gemeinsam zu Tuch, Schwamm und Schleifpapier. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Für Stefan Oberhansl, Sprecher der Sektion Marburg-Biedenkopf des Wirtschaftsrats, ist klar: Es ist an der Zeit, etwas zu tun. Denn: „Marburg ist so eine schöne Stadt. Aber die Verschandelungen machen den guten Eindruck direkt zunichte.“ Dagegen wollen die Wirtschaftsvertreter nun selbst aktiv werden – wie, zeigte Oberhansl direkt am Durchgang zum Oberstadt-Aufzug: An der Sandsteinfassade prangen zwei hässliche, aufgesprühte Schriftzüge. „Mit einem Schwamm kann man die Farbe direkt abrubbeln“, sagt er und rückt dem Schriftzug zu Leibe – „mit einer Drahtbürste geht es sogar noch besser“, sagt er.

Ja, dadurch würde etwas Material abgetragen. Und ja, wenn die ungewollte Farbe entfernt ist, sehe der behandelte Stein etwas anders aus. „Aber der Unterschied verschwindet durch die Witterungseinflüsse – und mit dem Schriftzug sieht die Wand ja noch schlimmer aus.“

An der Mauer des Treppenaufgangs am Oberstadtaufzug findet sich ebenfalls ein aufgesprühter Schriftzug. Die Mauer ist glatt – Oberhansl zückt selbst eine Spraydose, behandelt die Wand mit Graffiti-Entferner, „den gibt es für wenige Euro im Baumarkt“, sagt er. Das Mittel wirkt kurz ein, dann schrubbt Oberhansl gemeinsam mit Oliver Hahn und Dirk Bamberger die Wand: Schwamm, Putzlappen, feines Schmirgelpapier – bei annähernd 30 Grad kommen die Männer zwar schnell ins Schwitzen, „aber der Einsatz lohnt sich“, sagen sie, denn die Schrift verschwindet nach und nach. „In einer Stunde lässt sich das alles entfernen“, ist sich ­Stefan Oberhansl sicher.

Eine Entlastung für die Stadt

„Wir wollen mit der Aktion zeigen: Wenn sich so etwas im ­unmittelbaren Umfeld befindet, dann muss man nicht immer nach der Öffentlichen Hand schreien, sondern kann mit einfachen Mitteln selbst aktiv werden und mit etwas Eigeninitiative sehr viel bewegen – zum Nutzen aller.“

Bürgermeister Wieland Stötzel findet „die Eigeninitiative­ der Gewerbetreibenden hervorragend, das begrüße ich ausdrücklich“, sagt er. Die Aktionen trügen „ganz entscheidend zum Stadtbild bei und entlastet auch unseren städtischen Dienstleistungsbetrieb“, sagt Stötzel. Dazu biete man gerne auch fachliche Hilfe an, um zu erläutern, welche Mittel bei welchen Flächen am besten wirksam seien.

Doch Stötzel gibt auch zu bedenken, dass man bei allen Aktionen zunächst mit dem Besitzer des Gebäudes Rücksprache halten solle, „denn es ist nicht jedes Material für jede Reinigungsmethode geeignet“.
Für Oliver Hahn, Sektionssprecher des Wirtschaftsrats in Gießen und Marburger Stadtverordneter, sei es auch denkbar, „dass die Stadt solche Eigeninitiativen unterstützt, indem sie beispielsweise den Entferner günstiger anbietet“. Er könnte sich auch gemeinsame Reinigungsaktionen, organisiert durch die jeweiligen Ortsbeiräte, vorstellen.

Denn allen Beteiligten ist klar: „Sauberkeit spielt bei der Attraktivität eines Standortes eine zunehmende Rolle“, und ­gerade die Einfallstore beispielsweise in die Oberstadt „müssen sauber und gepflegt sein, damit sich die Menschen in unserer Stadt wohlfühlen“. Dazu könne jeder beitragen – mit der Aktion wolle der Wirtschaftsrat „ein Zeichen“ setzen.

von Andreas Schmidt