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Marburg Goethe, die Liebe und das Leben
Marburg Goethe, die Liebe und das Leben
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18:30 21.05.2014
Geduldig warten die Besucher der von der Neuen Literarischen Gesellschaft organisierten Lesung darauf, dass Rüdiger Safranski ihr Exemplar seines Werkes signiert. Foto: Vera Zimmermann
Marburg

„Laß, o Genius unsers Vaterlands bald einen Jüngling aufblühen voller Jugendkraft und Munterkeit (…). laß ihn ein Mädchen finden, seiner wert! (…) Doch ob‘s solche Mädchen gibt? Ob‘s solche Jünglinge geben kann?” Rüdiger Safranski zitiert in seiner Lesung diese wenig bekannten Zeilen Goethes. Sie stammen aus einer Rezension, in der dieser beklagt, dass es in der deutschen Literatur keine echten Liebesromane gebe. Goethe fordert Wahrheit und lebendige Schönheit statt Konvention und „Seifenblasenideale”.

Safranski deklamiert die überschwängliche Forderung des jungen Poeten mit leicht ironisch eingefärbtem Pathos, sehr zur Erheiterung des Publikums. Doch macht sich der Biograf nicht lustig über Goethe - im Gegenteil. Er nutzt solche kleinen Pointen im Text und im Vortrag geschickt, um seine Zuhörer neu zu begeistern für einen Schriftsteller, über den schon viel gesagt und geschrieben wurde.

Safranski versteht es, die faszinierenden Aspekte von Goethes Leben herauszuarbeiten - so etwa seine vielen Liebesabenteuer. Denn er hatte durchaus eine Antwort auf die in der Rezension gestellte Frage, ob es solche Mädchen und Jünglinge geben könne. Er dachte dabei an sich selbst und Charlotte Buff, in die er in seiner Wetzlarer Zeit sehr verliebt war.

Sie jedoch konnte ihm tragischerweise nichts als Freundschaft anbieten - denn sie war bereits verlobt.

Direkter Anlass zum Schreiben seines genialen Frühwerks „Die Leiden des jungen Werthers” war allerdings wiederum eine andere enge Freundschaft - die mit Maximiliane von La Roche, die sogar verheiratet war. Freundschaft oder doch Liebe? Rückblickend hebt der Dichter in seiner Autobiografie „Dichtung und Wahrheit” dann aber einen ganz anderen Aspekt hervor - den des Lebensekels, den er damals empfand. Der Autor überwand dieses Gefühl, indem er das Leben mit all seinen Facetten an die oberste Stelle setzte. Die Literatur ordnete er dem Leben unter, gleichzeitig erhob er das Leben zur Kunst: „Willst du dich deines Wertes freuen, so musst der Welt du Wert verleihen.” Das war fortan sein Wahlspruch. Eine Erkenntnis, die wohl zeitlos gültig bleibt.

Bestseller-Autor Rüdiger Safranski legt nach Biografien über E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Heidegger, Nietzsche und Schiller nun „das Goethe-Buch für unsere Zeit” vor, wie es der Klappentext verspricht.

Und tatsächlich: Mithilfe der primären Quellen - also den Briefen, Tagebucheinträgen und natürlich den Werken des Dichterfürsten - zeichnet Safranski zwar kein revolutionär neues Goethe-Bild. Er schafft es aber, uns, die wir über 200 Jahre nach Goethe leben, einen Eindruck von seiner Persönlichkeit, seinen Triumphen, Ängsten und Wünschen zu geben.

Zuletzt war Rüdiger Safranski im vergangenen Jahr mit seiner Heidegger-Biografie in Marburg zu Gast. Sein Besuch am Sonntag ist schon der siebte in der Universitätsstadt. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht der letzte war!

von Vera Zimmermann

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