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Marburg Gisela stiehlt Ralf Schmitz die Show
Marburg Gisela stiehlt Ralf Schmitz die Show
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20:02 21.03.2010
Ralf Schmitz (fast) in seiner ganzen Größe. Der 1,68-Meter-Mann stellte in Marburg unter Beweis, dass er nicht zu Unrecht zu den besten deutschen Comedians zählt. Quelle: Stefan Weisbrod

Marburg. So schnell kann aus einem Sketch ein ganz neuer werden: Gisela Isenburg hatte wohl einfach keine Lust zu machen, was Ralf Schmitz von ihr wollte. Es sollte eine abgewandelte Version von Freddie Frintons „Dinner for One“ werden; es wurde etwas, „was ich noch nie erlebt habe und hoffentlich auch nie wieder erleben werde“, wie Schmitz im weiteren Programm nicht nur einmal sagte. Gisela nahm die Position Miss Sophies ein. Hans Moser, Heinz Rühmann, Heinz Erhardt und Rudi Carrell waren zu ihrem Geburtstag eingeladen, wirklich erscheinen konnte freilich keiner der längst verstorbenen Entertainer.

So war es der Butler – in diesem Fall der ständig über den Kopf eines Schaffells stolpernde Schmitz – der für die vier mittrinken musste. Die Rolle Giselas hätte so entspannt sein können: einfach ablesen, was in einer Sprechblase auf einer Leinwand eingeblendet wurde und Schmitz seine Scherze machen lassen. Hätte. „Kennt doch schon jeder“, könnte sich die Wetteranerin gedacht haben. Gisela machte alles, schien in ihrer Rolle voll aufzugehen. Sie betonte beispielsweise immer wieder, dass sie gerne ein Glas Sekt hätte und dass Schmitz nicht betrunken tun solle, es sei ja schließlich nur Wasser in den Gläsern, oder fragte, ob jemand ein Foto von ihr machen könne, „sonst glaubt mir ja niemand, dass ich wirklich hier mitmache“.

Selbst die sonst sehr nüchtern wirkenden Bühnentechniker in der Mitte des Saals, die Schmitz‘ Programm sicher nicht zum ersten und auch nicht erst zum zweiten Mal sahen, konnten sich nicht mehr halten; vom Publikum ganz zu schweigen. Auch rund anderthalb Stunden später, ganz am Ende, wurde sie gefeiert, fast mehr als der eigentliche Hauptdarsteller des Abends selbst. Aber auch Schmitz hatte sich den tosenden Beifall verdient. Der 35-Jährige stellte mehr als zweieinhalb Stunden lang unter Beweis, dass er nicht nur nach Drehbuch lustig sein kann, sondern ein wahrer Improvisationskünstler und dazu noch ein „schmitzophrenes“ Multitalent ist.

von Stefan Weisbrod

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