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Marburg Gewaltexzesse im Superheldenfilm
Marburg Gewaltexzesse im Superheldenfilm
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18:41 14.08.2013
Marburg

Wie viel Gewalt verträgt ein Hollywoodfilm, der auf ein Massenpublikum abzielt? Diese Frage lässt sich natürlich nie pauschal beantworten, aber vor einigen Wochen kochte die Diskussion in den USA richtig hoch. Jim Carrey, einer der Darsteller in der Comic-Verfilmung „Kiss-Ass 2“, distanzierte sich von seinem eigenen Film und entschuldigte sich für die brutalen Gewaltszenen.

Er habe das Werk vier Monate vor dem Schulmassaker von Newtown gemacht und könne das Gewalt-Level nun nicht mehr guten Gewissens unterstützen, schrieb Carrey („Der Grinch“) beim Kurznachrichtendienst Twitter. „Kick-Ass 2“-Autor und Produzent Mark Millar („The Fantastic Four“) feuerte in einem Blog zurück. Als Geschichtenerzähler sei es sein Job, die Leute zu unterhalten.

Dünnes Handlungsgerüst und trashiger Humor

Wenn man „Kick-Ass 2“ gesehen hat, muss man Jim Carrey Recht geben. Das Sequel des Erfolgsfilms, der 2010 die Spitze der US-Kinocharts eroberte, besteht lediglich aus einem dünnen Handlungsgerüst, das nur den Vorwand bildet für immer neue Prügel- und Totschlagszenen. Humorlos und unmotiviert hat Regisseur Jeff Wadlow Motive aus dem Superheldengenre mit etwas Fäkalhumor aus billigen Teenieklamotten kombiniert. Und nicht einmal etwas trashigen Charme strahlt diese Fortsetzung aus.

Der Zuschauer darf erneut miterleben, wie der unscheinbare Nerd Dave Lizewski (Aaron Taylor-Johnson) in sein giftgrünes Kostüm schlüpft und zum superstarken Kämpfer für das vermeintlich Gute mutiert. Hier kommt Jim Carrey ins Spiel. Als Colonel Stars and Stripes gibt er den Baseballschläger schwingenden Chef einer schrägen Truppe von Möchtegern-Helden, die das Gesetz in ihre eigene Hand nehmen und mal so richtig aufräumen mit all dem Gesocks, das sich auf den Straßen tummelt. So krude wurde Selbstjustiz in einem Hollywoodfilm selten propagiert. Für den lächerlichen Part des Bürgerwehr-Anführers mit dem deutschen Schäferhund im Schlepptau muss sich Carrey zu Recht schämen.

Das immer nur unfreiwillig komische Gruselkabinett der Rächer und Knochenbrecher wird vervollständigt von Jungstar Chloë Grace Moretz (Jahrgang 1997), die erneut die gnadenlose Rächerin Hit Girl spielt.

Ein blutjunger, pausbäckiger Teenager als gnadenlose Kampfamazone im violetten Tarnanzug – das ist vielleicht einfach nur geschmacklos. Im ersten Teil spielte Nicolas Cage noch ihren Vater – auf die Fortsetzung hat er klugerweise verzichtet.

Die Diskussion über Gewalt in Hollywoodfilmen wird weitergehen. Das Poster zu Roland Emmerichs neuem Action-Spektakel „White House Down“ zeigt Channing Tatum als Bodyguard des Präsidenten mit Maschinengewehr und Pistolengürtel. Denzel Washington und Mark Wahlberg schafften es gerade mit dem Ballerfilm „2 Guns“ an die Spitze der US-Kinocharts.

Der Film läuft im Cineplex.

von Johannes von der Gathen

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