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Geschichte eines toten Freundes lebhaft erzählt

Lesung Geschichte eines toten Freundes lebhaft erzählt

„Die Kinder der Preußischen Wüste“ ist zwar keine Biografie, trotzdem entstammen alle Fakten aus dem Leben des Dramaturgen, Regisseurs und Schauspielers Thomas Brasch.

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Burgschauspieler Klaus Pohl im Landestheater.

Quelle: Bader

Marburg. Thomas Brasch hätte seine Geschichte gern selbst aufgeschrieben. Ein amerikanischer Literaturagent hatte ihm sogar 200.000 Dollar dafür geboten. Aber es ist nicht einfach, sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen. Es war sein Wunsch, dass sein langjähriger Freund Klaus Pohl dies für ihn tun sollte. Zehn Jahre nach dem Tode Braschs, hat Pohl nun diesen Wunsch in die Tat umgesetzt.

Auf Einladung des Marburger Literaturforums stellte Klaus Pohl vergangene Woche im Hessischen Landestheater einem kleinen Kreis seinen Roman vor.

Und es hatte sich gelohnt. Ein Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters sieht man nicht tagtäglich. Seine schauspielerischen Fähigkeiten  kamen auch bei der Lesung voll zur Geltung.

Eine gute Stunde las er aus mehreren Kapiteln. Aber die Zeit verging wie im Flug. Selbst als der Autor nachfragte, ob das Publikum genug gehört hätte, schüttelte es gebannt den Kopf.

Die Geschichte Thomas Braschs – im Buch heißt er Robert Papst – ist faszinierend und tragisch zugleich.

Um die Liebe seines Vaters, der stellvertretender Kultusminister in der DDR war, zu gewinnen, geht er 1976 zur Kadettenschule. Er merkt jedoch sehr früh, dass das der falsche Weg ist. Aber sein Vater holt ihn nicht nach Hause, egal wie sehr er fleht.

1961 wird die Mauer gebaut – die Eltern sind überglücklich. Robert kann die Bilder, die sich ihm bieten, nicht begreifen: Stacheldraht, zugemauerte Fenster und Soldaten vor dem Brandenburger Tor.

Mit dieser Unrechtsherrschaft will Robert nichts zu tun haben. Es kommt zum Bruch zwischen Vater und Sohn.

Einige Jahre später lernt Robert Nora kennen – gemeint ist Sanda Weigl, die Ehefrau von Klaus Pohl. Zusammen verteilen sie 1968 Flugblätter, um auf den Prager Frühling aufmerksam zu machen.

Als die Stasi nach ihnen fahndet, sucht der junge Student Hilfe bei seinem Vater. Der allerdings verrät ihn, Robert Papst wird verhaftet.

Dies ist das Ende der Vater-Sohn-Beziehung, bis zum seinem Tod weigerte sich Horst Brasch mit seinem Sohn zu reden. Die Verhaftung des Sohnes ist zugleich aber auch das Ende der politischen Karriere des Vaters.

Eigentlich, so Klaus Pohl, ist die Geschichte der Familie Brasch durch die übermäßige Liebe des Vaters zur DDR eine Deutschlandtragödie. Der Dichter, Dramatiker, Lyriker und Regisseur Brasch starb 2001 im Alter von 56 Jahren in Berlin.

Nach der Lesung beantwortete Klaus Pohl noch Fragen und erzählte von seiner Freundschaft mit Thomas Brasch.

Klaus Pohl: „Die Kinder der Preußischen Wüste“, Arche-Verlag, 496 Seiten, 24,99 Euro

von Mareike Bader

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