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Marburg Geschädigte nimmt ihre Vorwürfe zurück
Marburg Geschädigte nimmt ihre Vorwürfe zurück
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16:04 26.03.2018
Ein 31-Jähriger muss sich derzeit wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Der 31-jährige Mann war angeklagt, eine 36-jährige Frau zweimal körperlich misshandelt und damit gesundheitlich geschädigt zu haben. Mit ihren Aussagen relativierte die Geschädigte jedoch die Vorwürfe. Die beiden Taten sollen im Dezember 2016 und im Juli 2017 gewesen sein. Während dieser Zeit waren die beiden in einer Beziehung. Und die ist auch danach noch weitergegangen.

Im Dezember 2016 befanden sich die beiden auf einer Weihnachtsfeier, die später Geschädigte trank nach eigener Aussage „das ein oder andere Bierchen und Ramazzotti“, der ­Angeklagte sollte fahren. Plötzlich klingelt sein Handy: Auf dem Display sieht die Geschädigte die Nummer einer anderen Frau. „Warum ruft die denn jetzt an?“, habe sie entrüstet nachgehakt, „ein bisschen gezickt, doch dann war‘s erst mal wieder gut“, sagt sie vor Gericht.

Laut Anklage soll der 31-Jährige auf der Fahrt der Frau mehrere­ Faustschläge ins Gesicht verpasst haben und sie kurzzeitig gewürgt haben. Doch die Geschädigte stellte es deutlich anders dar: „Im Auto ließ ich wegen des Anrufs nicht locker. Ich hab‘ geschlagen, er hat mich abgewehrt und dadurch bin ich gegen die Scheibe geknallt.“

"Ich muss hier weg"

Die Nase der Frau habe stark geblutet, außerdem trug sie eine leichte Gehirnerschütterung davon. „Wenn mir Argumente­ ausgehen und ich nicht weiter weiß, versuche ich der Situation zu entfliehen“, erzählt die Geschädigte. Im Auto habe sie dann also so getan, als müsse sie sich übergeben, um aussteigen zu können.

Der Angeklagte habe noch sein T-Shirt ausgezogen, um es der Geschädigten zum Stillen der Blutung zu geben. In der Unterführung in Cölbe hielt dann ein ­Auto. Die Geschädigte sei sofort eingestiegen mit den Worten: „Ich muss hier weg!“ Die Insassen hätten sie mitgenommen und auf ihren Wunsch die Polizei verständigt. In der polizeilichen Vernehmung soll sie laut Protokoll ausgesagt haben, geschlagen und gewürgt worden zu sein. „Ich habe übertrieben, vielleicht, weil ich sauer und eifersüchtig war“, erklärte sie auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft.

Im Juli 2017 waren der Angeklagte und die Geschädigte dazu verabredet, essen zu gehen, doch die Nachbarin der Geschädigten bot an, gemeinsam zu grillen, was sie auch dankend annahm. Die Planänderung habe wiederum zum Streit geführt. Irgendwann entschloss auch hier die Geschädigte nach eigener Aussage, „der Situation­ zu entfliehen“. Der Angeklagte­ sei hinterhergelaufen, habe sie hie und da festgehalten, die Geschädigte habe geschrien.

Auf ihrer Fensterbank habe ein Trinkbecher aus Hartplastik gestanden. Während laut Anklage der 31-Jährige ihr den Becher gezielt an den Kopf geworfen haben soll, sagten beide aus, dass er das Wasser nur hat über den Kopf schütten wollen und die Geschädigte versehentlich an der Stirn getroffen habe. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass er mich mit dem Becher treffen wollte, er war selbst erschrocken.“

Die Folge sei eine starke Schwellung an der Stirn gewesen. „Und, können wir jetzt ­eine Lösung finden?“, fragte Verteidiger Sascha Marks, was jedoch die Staatsanwaltschaft sofort ablehnte. Für die weitere Beweisaufnahme wird der ­Prozess am Montag, 26. März, fortgesetzt.