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Marburg Gender Budgeting soll Sportförderung nicht ändern
Marburg Gender Budgeting soll Sportförderung nicht ändern
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00:17 15.07.2018
Der 1. FSC Marburg, der sich der Frauenförderung verschreibt, wirbt mit diesem Plakat. Die Einführung von Gender Budgeting soll laut Magistrat an Förderpraktiken nichts ändern.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Eine in der Sportszene befürchtete ­finanzielle Bevorzugung von ­bestimmten Vereinen, etwa dem neugegründeten 1. FSC Marburg – einem Verein, der seinen Fokus speziell auf Frauen richtet – soll es auch nach der 2019 vorgesehenen Einführung des Gender Budgeting nicht geben.

„Eine grundsätzliche Veränderung bei der Vereinsförderung ist weder im Bereich Sport noch im Bereich Kultur vorgesehen“, heißt es von der Stadtverwaltung auf OP-Anfrage. Förder­mittel im Sport sollen „nicht nach dem Gender Budgeting umverteilt werden“, „pauschale Unter­stützungen“ seien „nicht vorgesehen“.

Über den neuen Finanzierungs-Ansatz prüfe die Stadt vielmehr bestimmte Investitions­fragen, darunter die ­bedarfsgerechte Sportstättenentwicklung. ­Dabei gehe es um die Priorisierung der im ­Sportentwicklungsplan bereits festgelegten Investitionen, etwa eine beleuchtete ­Laufstrecke.

Nach OP-Anfrage schickt Stadt Schreiben an die Vereine

Nach OP-Informationen hat die Stadtverwaltung jedoch von allen Vereinen die Übermittlung der Mitglieder­zahl, aufgeschlüsselt nach Geschlechtern, verlangt. Ein Widerspruch?

Schon in der vergangenen ­Woche sind seitens der Stadt Briefe an dutzende Vereine versendet worden, um auf eben ­jene, unveränderte Geltung der Förderrichtlinien hinzuweisen. Auslöser dürfte die ­Kritikwelle am Frauensportclub ­gewesen sein; denn nur wenige Tage vor Briefversand gab es eine OP-Anfrage an die städtische Presse­stelle, um unter anderem die Vergabepraxis von Zuschüssen, Sportstätten und deren Belegungszeiten zu erfahren.

Ein wesentlicher Kritikpunkt, der von Sportvereinen in Richtung FSC geäußert wird, ist eine Polit-Prägung des Neu-Vereins, dessen personelle ­Nähe zur ZIMT-Regierung sowie dem Magistrat. Als Indizien für diese Nähe gelten den Kritikern etwa die Sportplatzbelegung, die von vielen Klubs begehrten Sportpark-Trainingszeiten montag- und mittwochabends, die an den FSC gegangen sind (OP berichtete).

Das Ziel des Gender ­Budgeting ist laut Stadt jedenfalls „eine größere Fairness bei der Ausge­staltung des kommunalen Haushalts“. Dabei werde überprüft, ob die Haushaltsmittel sach- und bedarfsgerecht verwendet werden, beziehungsweise zielgruppenspezifisch – also ­etwa auf und für Frauen – wirken. 

Grundsätzlich sei in den Sportförderrichtlinien bereits ein Fokus auf Jugend, Geflüchtete, Menschen mit Beeinträchtigungen, Soziales und der gleich­berechtigten Förderung von Sportlern verankert. Welcher Verein Geld bekommt, entscheide der Magistrat, auf Grundlage der städtischen Sportförderrichtlinie sind das Stadträtin ­Kirsten Dinnebier (SPD) und das ihr unterstellte, von Björn Backes geleitete Sportamt, wie es von der Stadt in Beantwortung besagter OP-Anfrage heißt.

Die Kritik am FSC entzündete sich zuletzt vor allem am grundsätzlichen Vereinsgründungsansatz, dass es im Sportbereich eine mangelnde Frauenförde­rung gebe und darauf aufbauend eine Konkurrenz-Mehrspartigkeit zu Traditionsvereinen aufgebaut werde. FSC-Vorstandsvorsitzende Andrea Suntheim-Pichler entgegnete im OP-Gespräch zuletzt, dass es sich bei den Frauenförderungsaussagen um ein „Missverständnis“ gehandelt habe, es ­künftig bei ­bestehenden Sportangeboten Kooperationen mit anderen Vereinen geben solle und ­zumindest für den Moment der Fokus des Klubs auf Frauenfußball liege. Die Trainingszeiten im Gaßmann-Stadion seien zudem nur vorübergehend gewährt.

von Björn Wisker