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Geistliche Texte und romantische Töne

Kantorei der Elisabethkirche Geistliche Texte und romantische Töne

„Chor und Orgel“ - so hieß das Programm der Kantorei der Elisabethkirche mit dem sie in den vergangenen Wochen in Nordfriesland und in Rendsburg unterwegs waren. Den krönenden Abschluss bildete das „Heimkonzert“ in der Elisabethkirche am Sonntag.

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Überzeugten ihre Zuhörer mit gefühlvollem Gesang und Orgelspiel: die Kantorei der Elisabethkirche.

Quelle: Thomas Breme

Marburg. Passend zum Programm standen die Stühle, genau anders herum als man es sonst gewohnt war, in Richtung der schönen Klais-Orgel. Während die Glocken läuteten, hörte man von hinten, wie sich der Chor einsang. Der Klang versprach eine stimmkräftige und tonsichere Gruppe. Dieser Eindruck täuschte nicht.

Den Anfang machte Felix Mendelssohn Bartholdys Hymne „Hör mein Bitten Herr“, nach den Versen aus dem Psalm 55. Ein wunderschönes Stück, das früher zu den bekanntesten geistlichen Werken Mendelssohns gehörte. Heute ist es zu Gunsten größerer Stücke ein wenig in Vergessenheit geraten.

Die 60 Sängerinnen und Sänger der Kantorei übertrugen den klagenden Ton des Textes hervorragend. Auch der Wechselgesang mit der Sopranistin Anne Kuppe, die bei diesem Lied oben auf der Empore bei der Orgel stand, wurde toll umgesetzt.

Das zweite Lied „Saul“ war ziemlich ungewöhnlich. Während der Erzähler Joachim Teetz den Text aus der Apostelgeschichte Kapitel 8 vortrug, bauschte sich im Hintergrund der Chorgesang auf. Ganz leise wimmelten die Stimmen umher wie in einem Bienenstock. Nach den ersten beiden Textpassagen kam es zum kräftigen Singausbruch.

Fast bedrohlich und bedrängend klang der Chor, insbesondere bei der letzten Chorpassage „Saul warum verfolgst du mich?“, dazu klang die Orgel beinahe krachend. Im Gegensatz zu den schönen, romantischen Klängen an diesem Abend war diese Komposition des Norwegers Egil Hovland für die Sängerinnen und Sänger bestimmt nicht einfach zu singen. Diese Herausforderung haben sie trotzdem sehr gut gemeistert.

Unterbrochen wurde die Vokalmusik durch zwei Orgelstücke, gespielt von Tabea Fuhr. Sowohl Mendellsohns „Andante D-Dur mit Variationen“ und Brahms´ Choral-Vorspiel „Herzlich tut mich erfreuen“ waren eine schöne Abwechslung. Leider war die Orgel in der Lautstärke auf den Chor eingestellt, so dass die Klais-Orgel solo zu leise klang.

Zum Schluss erklang das Hauptstück, die D-Dur Messe von Antonin Dvorák. Diese Messe gilt als Dvoráks persönliches Zeugnis von Glaube, Hoffnung und Liebe zu Gott. Die Sängerinnen und Sänger der Kantorei bewiesen hier sehr viel Feingefühl und wussten jede Gefühlsregung der Messe großartig umzusetzen.

Nach dem herrlichen, melodischen Kyrie, das anfangs so schön leicht und tänzerisch klang und dem feierlichen Gloria, bei dem sich die Stimmen so schön ineinander verwoben, hätte man am liebsten schön kräftig der tollen Leistung applaudiert.

Aber auch die folgenden Sätze begeisterten, insbesondere das Credo. Das Glaubensbekenntnis, die Menschwerdung Gottes durch seinen Sohn Jesus, dessen Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt wurden in dieser Messe sehr programmatisch und dramatisch von Dvorák musikalisch umgesetzt.

Und auch hier überzeugte die Kantorei mit ihren Solisten Anne Kuppe, Dagmar Paul-Bruder, Christoph Drescher und Johann Lieberknecht die 300 Zuhörer im Publikum ebenso wie im gesamten Konzertverlauf.

von Mareike Bader

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