Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Gegensätze gehen unter die Haut
Marburg Gegensätze gehen unter die Haut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:05 04.03.2012
Vor ausverkauftem Haus feierten die Jugendlichen des Landestheaters ihre Premiere von „Krabat“. Quelle: Landestheater

Marburg. Kühl und abstrakt wirkt das Bühnenbild – von Farben keine Spur. Bühnenbildner Pascal Seibicke arbeitet mit glatten, kubischen Strukturen, wodurch die Kulisse einen harten, industriellen Stil erhält. Eines ist klar: Ein schönes Ausflugsziel wie die Brücker Mühle in Amöneburg ist die Schwarze Mühle am Koselbruch bei Schwarzkollm nicht.

Hier findet die Geschichte von Krabat statt. Otfried Preußler schrieb die Geschichte 1971, basierend auf einer sorbischen Sage. Der Theaterjugendclub des Hessischen Landestheaters hat sich dieses Stoffes angenommen. Wie schon bei „Romeo und Julia“ führte wieder Frank Hietzschold Regie.

Der 14-jährige Waisenjunge Krabat, gespielt von Dominik Spies, findet sich in einer Welt voller Gegensätze wieder. Da ist die Mühle, unter der strengen Herrschaft des Meisters (Maximilian Dörbecker). Alles läuft nach starren Regeln ab – die Müllerarbeit, die Lehrstunden in schwarzer Magie, sogar das Verhalten untereinander ist bestimmt von Routine.

Fragen stellen ist nicht erwünscht: „Wer viel fragt, der viel irrt“. Krabat lernt jedoch ein Mädchen der Kantorka (Clara Schulze-Wegener) kennen, die ihm mit ihrer aufrichtigen, selbstlosen Art den Kopf verdreht. Die Gewissensfrage bei diesem „sorbischen Faust“ lautet: Macht dir die Macht das Leben einfacher?

Die eleganten Kostüme von Eva Constanze Nau spiegeln den Gegensatz wider. In der Mühle herrscht die strenge Uniform. Die Kantorka dagegen trägt ein schönes, weißes, verziertes Kleid. Besonders auffällig sind die beiden Erzähler „Das Herz“ und „Die Düsternis“ in weiten, glitzernden Kostümen mit einem ausgefallenen Kopfschmuck. „Das Herz“, wunderschön freundlich und offen von Mona Rieken gespielt, begleitet die Geschichte von Anfang an – unschuldig wie Krabat zur Mühle kam, ist sie ganz in Weiß gekleidet. „Die Düsternis“, gespielt von Ulrike Czogalla, taucht erst nach den ersten Monaten in der Mühle auf und ist passend dazu ganz in Schwarz gehalten.

Die minimalistische Szenerie wirkt mystisch und zugleich beengend. Die schwarz-weißen Gegensätze werden lediglich durch die Hintergrundbeleuchtung durchbrochen und von der Liebe Krabats – seinem Mädchen.

Tritt sie auf, so erstrahlt die ganze Bühne in warmen, hellen Licht. Passend dazu erklingt die Musik mit sphärischen Elektroklängen, Kirchengesängen und zarter Klaviermusik.

Inmitten dieser kühlen Bühnenlandschaft findet sich die Besetzung wieder. Maximilian Dörbecker spielt fantastisch den diabolischen Meister, der nur an seiner Macht interessiert ist. Unter den Gesellen geht vor allem die Freundschaft zwischen Krabat und Tonda (Michael Schneider) zu Herzen.

Nach Tondas Tod ist Juro Krabats Vertrauter, gespielt von Abhinav Sawhney. Er mimt den scheinbaren Trottel authenthisch und sympathisch ohne die Hilfe eines Mikrofons wie bei den anderen Schauspielern. Dominik Spies überzeugt mit seiner immer leicht krummen Haltung als Krabat, der nie aufhört, über die Hintergründe der Mühle zu grübeln.

von Mareike Bader