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Marburg „Gallier von Marburg“ begehren auf
Marburg „Gallier von Marburg“ begehren auf
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00:21 26.11.2018
Rund 100 Zuhörer verfolgten die Diskussion im Ortsbeirat Elnhausen über die Vision der Marburger SPD zur Westumfahrung. Am ­Ende gründeten rund 90 Menschen eine Bürgerinitiative gegen die Pläne. Quelle: Ina Tannert
Elnhausen

Der SPD-Vorstoß für eine neue Nord-Süd-Verbindung westlich von Marburg, zwischen der B 62 im Norden und der B 255 im Süden, hat die Gründung einer Bürgerinitiative (BI) angestoßen. Dem Thema Ortsumgehung nahm sich am Dienstag der Ortsbeirat Elnhausen an, der einen Besucherrekord von knapp 100 Zuhörern verzeichnete. „So viele wie nie zuvor“, meinte­ Ortsvorsteher Jan von Ploetz, der sich rund zwei Stunden lang bemühte, die Wogen zu glätten. Denn, dass im Ort Misstrauen, größtenteils Ablehnung, gegenüber einer potenziellen Westumfahrung herrscht, wurde­ während der Debatte deutlich.

Der Grund: Der Vorschlag beinhaltet in Teilen den Ausbau der Straßen als Umfahrung der Außenstadtteile. Davon betroffen wäre mit am stärksten Elnhausen, wo die erste grobe Streckenführung eine Umgehung im Westen auf einem schmalen Streifen zwischen Friedhof und Sportplatz vorsieht. Dies werten Bewohner als „übereilten Schnellschuss – es wäre ein Einschnitt in unsere Lebensqualität“, befand Birgit Stein, stellvertretende Ortsvorsteherin und eine der Initiatoren der BI.

Drohende Belastung für den Ort?

Den Ärger ab bekam Stadtverordneter Steffen Rink (SPD), der Stellung zu der Idee nahm. Und eben das sei der Vorschlag der SPD, „es ist erst mal nur ­eine Idee, ein Entwurf – aber einer, der es wert ist, besprochen zu werden“, betonte Rink. Er wandte sich gegen den Vorwurf, dass die Pläne bereits weit fortgeschritten seien, wie viele­ im Raum vermuteten. Rink ­beschwor die Bedeutung einer vorteilhaften Entwicklung der Behringwerke für die Stadt, die ihren größten Steuerzahler unterstützen, eine Expansion ermöglichen müsse. Dies schließe auch das Thema Verkehrsverbindung für den Görzhäuser Hof ein. Dass die angedachte Route von Vorteil für den Verkehrsfluss – zu den Firmen wie aus der Marburger Innenstadt heraus – wäre, bezweifelten indes einige im Raum.

Viel eher sehen die meisten ­eine drohende Belastung für ­ihren Ort, unter anderem durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, zugleich eine Bedrohung für das innerörtliche Gewerbe, befürchten Verlust von gutem Ackerland und Einschnitte in die Natur. Besonderes Misstrauen erregte der Verdacht, dass man „vor vollendete Tatsachen gestellt“ werde, dass die Aufnahme der Planungen im nächsten Regionalplan feststünden. Dem sei nicht so, beschwichtigte Rink. Es gehe „nur um eine grobe Prüfung, nur um Optionen, nicht um Details.“ Diese würden, wenn überhaupt, erst später folgen. Und auch nur, sollte die Regionalversammlung dem Plan in zwei Jahren überhaupt zustimmen.

Vereinzelt kamen Stimmen aus dem Publikum, die einen Vorteil in der Umgehungsstraße sehen, „vielleicht kann es eine Entlastung werden, aber noch ist das zu kurz gedacht“, meinte ein Zuhörer. Die Palette an Vermutungen scheint größer, von Verkehrslärm bis zur Mauschelei für eine mautfreie Direktverbindung zwischen dem Logistikbetrieb in Wenkbach und den Behringwerken.

Ortsbeirat spricht sich gegen Ortsumgehung aus

Der Ortsvorsteher glaubt nicht, dass die erhoffte Verkehrsentlastung auf diesem Weg zustande kommt. Er kritisierte, dass der Plan „die Städter und westlichen Stadtteile gegeneinander ausspielt.“ Einen Beschluss wollte von Ploetz nicht zum Thema fassen, wurde jedoch von den Kollegen überstimmt. Am Ende sprach sich der Ortsbeirat gegen eine Westumfahrung nach den vorliegenden Plänen aus.

Gut 90 Bewohner schlossen sich zur neuen BI zusammen. Auch Landwirte gehen auf die Barrikaden: Zur Sitzung fuhren mehrere Bauern in einer Kolonne aus einem halben Dutzend Schlepper, sie wollen sich weigern, ihr Land für den Straßenbau zu verkaufen. Gemeinsam wolle man sich gegen die Pläne erheben, wie die „Gallier von Marburg“, auch wenn das nicht der Name der BI sei, sagte Stein. „Viele wollen jetzt Signale an die Stadt senden“, kündigte sie an. Als nächsten Schritt wolle die BI weitere Unterstützung sammeln, die Nachbarorte mobilisieren und sich mit Experten zum Thema beraten.

von Ina Tannert