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Gedenken an die Opfer wach halten

Brüder-Grimm-Stube: Galleria Bruno P. Gedenken an die Opfer wach halten

Hildegard Schürings und Pauline Disonn sind beide eng mit Ruanda verbunden. Sie lebten dort, haben sich dort kennengelernt. Den Genozid Mitte der 1990er-Jahre haben sie in einer gemeinsamen Ausstellung verarbeitet.

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Hildegard Schürings (von links), Galerist Bruno Paoletti und Pauline Disonn bei der Vernissage zu „Rwanda - Entgrenzungen“ in der Brüder-Grimm-Stube.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Wie jedes Jahr verwandelt sich die Brüder-Grimm-Stube für das erste Halbjahr wieder zur Galleria Bruno P. Der Marburger Lebenskünstler Bruno Paoletti hat für seine erste Ausstellung 2017 ein Thema gewählt, das ihm selbst nahe gehe, wie er erläuterte. Andererseits faszinieren ihn die Bilder aus Afrika durch ihre Atmosphäre. „Ich fühle mich richtig warm hier“, erklärte Paoletti bei der Vernissage.

Die Bilder vermitteln eine zwiespältige Perspektive auf ­Ruanda, ein Land, das ungefähr zu groß ist wie Hessen und mitten in Afrika liegt. Sie wollen erinnern und das Gedenken der Opfer wach halten, erklärte Hildegard Schürings zur gemeinsamen Ausstellung mit Pauline Disonn.

Die Erziehungswissenschaftlerin Schürings arbeitet seit 1978 in Rwanda. Von ihr sind Fotografien zu sehen, die zwischen 1978 und 2011 entstanden sind. Gezeigt werden einzelne Personen, wie Alexie Gahongayire, die 1994 mit ihrem Ehemann und den drei Kindern ermordet wurde – aber auch Gruppen, wie auf der Fotografie „Verlorene Kinder“ aus einem Flüchtlingslager in Zaire, das Kinder zeigt, die ihre Eltern auf der Flucht verloren haben.

Fundstücke in Werke eingearbeitet

Eingebettet in die zweidimensionalen Fotografien sind die plastischen Reliefbilder von Pauline Disonn, die seit dem Genozid entstanden sind. Die Künstlerin arbeitet mit vielen Naturmateralien. „Ich versuche, so organisch wie möglich zu bleiben“, erklärte sie im Gespräch mit der OP. Die Reliefbilder schafft sie aus selbst geschöpftem Papier, in dessen Pulpe sie Fundstücke, wie Holz, Samen oder sogar kleine Skelette, einarbeitet. Dann formt sie das Relief, das sie nach dem Trocknen bemalt. Auch hier versuche sie, möglichst mit Naturfarben zu arbeiten, verwende aber auch Pigmente, wie sie erzählt. „Es ist ein wunderschöner Entstehungsprozess“, schwärmt die Künstlerin, die in Berlin und Sachsen-Anhalt arbeitet.

Hildegard Schürings und Pauline Disonn sind an diesem Samstag und am Sonntag persönlich in der Galleria Bruno P. und stehen zu Gesprächen zur Verfügung. Schürings ist auch am Wochenende darauf noch einmal vor Ort. Bereits 2012 zeigten die beiden ihre gemeinsame Ausstellung in Siegen, 2014 folgte eine sechswöchige Ausstellung mit Rahmenprogramm im Frankfurter Haus am Dom.

Vor eineinhalb Jahren besuchte Hildegard Schürings eine Ausstellung in der Galleria Bruno P. und lernte dabei Bruno Paoletti kennen, der ihr nun die Gelegenheit bot, die Ausstellung in Marburg zu zeigen.

Doch in der kleinen Brüder-Grimm-Stube oberhalb des Marktplatzes war nicht genug Platz für alle Werke. Daher ist nur eine etwa mehr als 20 Bilder umfassende Kurzfassung zu sehen, ursprünglich war die Ausstellung doppelt so groß. Es sei immer wieder spannend, mit den verschiedenen Räumlichkeiten zu arbeiten, erzählte Schürings im Gespräch, die auch die historische Brüder-Grimm-Stube sehr interessant findet.

  • Die Ausstellung in der Galleria Bruno P. (Brüder-Grimm-Stube, Markt 23) ist bis zum 29. Januar geöffnet, dienstags bis sonntags von 13 bis 17 Uhr. Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.ruanda-entgrenzungen.net

von Mareike Bader

 
 
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