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Marburg Gas-Wechsel sorgt für Verwirrung
Marburg Gas-Wechsel sorgt für Verwirrung
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00:19 05.11.2018
In der Küche des Hotel-Restaurants „Zur Burgruine“ in Beltershausen-Frauenberg wird mit Gas ­gekocht – die Geschäftsführung sorgt sich um die Erdgasumstellung. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Von der bevorstehenden Erdgasumstellung betroffen sind alle Gasgeräte im Verteilnetz der Stadtwerke, nicht nur in Marburg, sondern vereinzelt auch in Nachbarorten wie Ebsdorfergrund. In den Ortsteilen Beltershausen und Frauenberg betreiben die Stadtwerke die L-Gas-Netze, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Die dortigen Nutzer von Gasgeräten seien somit ebenfalls von der Umstellung von L-Gas auf H-Gas betroffen.

Darunter auch Konrad Debelius, Seniorchef des Hotel-Restaurants „Zur Burgruine Frauenberg“. Der ­Betrieb hängt am Gasnetz, sei bislang aber noch nicht überprüft worden, berichtet der Gastwirt. Weder habe er ein Schreiben noch Besuch von einem Prüfer erhalten. Nun sorgt sich Debelius, dass er vergessen wurde, irgendwann Probleme mit der Umstellung bekommen könnte. „Bei uns hat sich niemand gemeldet, dabei will ich doch wissen, was Sache ist“, erzählt er.

Restaurantbetreiber ärgert sich

In der Küche des Restaurants wird mit Gas gekocht, das Hotel­ über ein Blockheizkraftwerk versorgt. Der Betrieb ist auf ­eine reibungslose Versorgung aus dem Netz angewiesen. Seinen großen Gasherd hat er seit knapp 30 Jahren, „das ist nicht alt für eine Hotellerie – aber ich möchte wissen, was mit meinen Geräten ist, ob die auch passen“, sagt Debelius.

Die Überprüfung wird im Auftrag der Stadtwerke von zwei ­externen Dienstleistungsfirmen­ durchgeführt, die sämtliche ­Geräte erfassen sollen. Dass ­die Erhebung und später eine flächendeckende Anpassung reibungslos funktionieren, glaubt Debelius nicht. Er habe bereits vergeblich versucht, eine entsprechende Information von den Stadtwerken zu erhalten: „Ich wollte mich ja schlau machen, aber keiner fühlte sich zuständig, ich wurde abgewimmelt“, meint der Seniorchef.

Er hat kurzerhand selber ­recherchiert, ist überzeugt, dass sein Gasherd nur eine neue ­Düse benötigt. Eine Bestätigung oder anderweitige Information habe er darüber noch nicht erhalten. Er möchte Klarheit und erwartet eine gewisse Vorlaufzeit, auch was die Anpassung seiner Geräte angeht, „ich kann doch nicht einfach bei laufendem Betrieb alles umstellen und spontan aufhören zu kochen“, ärgert er sich.

Die Anpassung der Geräte beginnt ab Februar 2019, wie lange die ­Abschaltung dauern wird, hängt laut Stadtwerke „vom Gerätetyp ab und sollte nur im Einzelfall 60 Minuten überschreiten“.

Um die verpflichtende Erdgasumstellung ­herum kommt die Region nicht, bundesweit sollen bis 2030 rund fünf Millionen Gasgeräte auf das methanhaltigere H-Gas ­angepasst werden, da die Fördermenge von L-Gas sinkt. Während das „alte“ Gas aus heimischer Produktion oder aus den Niederlanden stammt,  wird das H-Gas überwiegend aus Russland und Skandinavien bezogen. 

Ersatzteile oder Austausch

Bei der flächendeckenden Erhebung wird geprüft, welche Geräte die Anpassung mitmachen und welche nicht. Letztere müssten mit Ersatzteilen versehen oder ganz ausgetauscht werden. Laut Stadtwerke müssen nur rund zwei Prozent aller Geräte in Marburg komplett erneuert werden, um den höheren Brennwert verkraften zu können. Bei den meisten reiche eine neue Gasdüse.

Dabei sorgt sich mancher Kunde nicht nur um die anstehende Anpassung der Geräte,­ sondern schon im Vorfeld um die Wirksamkeit der Kontrollen. So wie Eva Göppert, die bereits Besuch vom Prüfer bekam. Laut der Kundin dokumentierte dieser zwei Heizgeräte – in ihrer Wohnung gebe es jedoch drei. Auch nach mehrfachen Anfragen bei den Stadtwerken sei die fehlende Heizung nicht ergänzt worden, sagt Göppert.

Die Nutzerin vermutet, dass die Listen unvollständig seien, damit „ein Sicherheitsrisiko besteht – ich mache mir Sorgen, dass es auch anderen so geht“.

Die Stadtwerke versichern dagegen, dass lückenlos kontrolliert werde, „es werden alle Installationen hinter den Gaszählern vor Ort aufgenommen“.

Wer zum Stichtag nicht mit einem tauglichen Gerät ausgestattet ist, dem droht das Gas-Aus: „Wir sind gesetzlich verpflichtet, ein Gerät vom Gasnetz zu trennen, wenn es nicht von L- auf H-Gas angepasst wurde“, so die Stadtwerke weiter.

Was genau bei einem nicht angepassten Gerät passieren kann, das ohne Check mit dem neuen Gas versorgt wird, konnte die Pressestelle der Stadtwerke nicht beantworten. Vermutlich werde sich lediglich die Leistung verringern.

von Ina Tannert