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Galgenhumor mit Gevatter Tod

Waggonhalle Galgenhumor mit Gevatter Tod

Der für den Prix Pantheon 2013 nominierte Künstler, der sich schlicht „Der Tod“ nennt, präsentierte am Freitagabend in der ausverkauften Waggonhalle sein drittes Soloprogramm „Mein Leben als Tod“, das über weite Strecken recht anspruchslos blieb.

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Der Tod, stets verborgen unter seiner Kutte, plaudert mit seiner Fingerpuppe „Maunz“.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Die Gestalt auf der Bühne klagt: „Der Tod hat ja auch heute noch einen eher schlechten Ruf.“ Um den zu verbessern, ist er auf „großer Imagekampagne“.

Der personifizierte Tod präsentiert sich als Kuttenträger.­ Das Gesicht bleibt über die ­gesamte Spieldauer verborgen. Wer sich unter dem Gewand verbirgt, bleibt ein Mysterium. „Ich bin ein Tod wie Du und ich“, behauptet der Schnitter und berichtet mit der zittrigen Stimme eines unsicheren Teenagers von seinem Alltag als Seelenfänger. Melancholie macht sich breit, denn Tod fühlt sich einsam.

Das 90-minütige Programm wirkte halbgar. Der Dialog mit der Fingerpuppe „Maunz“ oder der Abklatsch von „Wer wird Millionär“, bei dem zwei Zuschauer um Lebenszeit spielen, sind interessante Ansätze, denen es jedoch an Pointen fehlt. „Auch Vegetarier beißen ungern ins Gras“, kommt es unter der Kutte hervor. Solche mit dem Tod zusammenhängende Witze hat der Schnitter in Massen auf Lager. Das ist bei den ersten drei Malen recht lustig. Beim achten Gag dieser Art macht sich jedoch eher Eintönigkeit breit.

Außerdem durchbricht der ­Todesengel mehrmals die Leitplanke des Humors. Fremdschämen ist angesagt, wenn der Sensenmann verball­hornte Songtexte von Wolfgang Petrys­ „Hölle! Hölle! Hölle!“ und ­
Helene Fischers „Atemlos“ singt. Dann verkommt der Comedy-Anspruch zum Ulk mit begrenztem humoristischen Mehrwert. Einige Zuschauer applaudieren amüsiert, andere zögern und wissen nicht recht, was sie von dem Klamauk halten sollen.

Prächtige Unterhaltung bietet einzig eine von Tod zusammengestellte Fotocollage über Dutzende groteske Zufälle im Schilderwald des Straßenverkehrs: Letztlich erweist sich „Tod“ als Wesen mit Herz, besonders für die Obdachlosenhilfe. Dabei handele er in eigener Sache. Er habe schließlich keine Lust, im Winter draußen zu arbeiten. Einige Zuschauer hüsteln nervös nach diesem makaberen Scherz. Das ändert aber nichts daran, dass viele Besucher in der Pause und nach der Show Geld in den „Spendentotenkopf“ stecken.

von Benjamin Kaiser

 
 
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