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Marburg Furios, bitterböse, schräg und flach
Marburg Furios, bitterböse, schräg und flach
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19:54 25.09.2011
Dreimal Jürgen Becker. Die Fotomontage zeigt, wie engagiert der Kabarettist in der Stadthalle Marburg zu Werke ging. Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Vor rund 350 Zuschauern zeigte Jürgen Becker im Rahmen des Marburger Kabarettherbstes sein neues Programm „Der Künstler ist anwesend“.

Der Kabarettist, Gastgeber der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“, startete furios: Er lästerte über den Papstbesuch in Deutschland, herrlich seine Bissigkeit, seine Spitzen gegen die Herrschenden aus Kirche und Politik, sein sympathischer Kölscher Singsang. Sehr überzeugend auch sein schauspielerisches Talent, sein trockener Humor, seine beeindruckende Bühnenpräsenz.

Auch als der Kabarettist den Kunstbetrieb aufs Korn nahm, das eigentliche Thema des Abends, blieb kein Auge trocken: Die Eröffnung einer Kunstausstellung sei ja eine schlimme Strafe, meinte Becker, nur lauter Lackaffen stünden da herum, alle in Schwarz, wie auf einer Beerdigung. Der Künstler werde verehrt wie ein Gott, aber sobald der seine Werke erklären müsse, käme da „wirklich nix bei raus“. Überhaupt sei es mit dem Künstlerdasein so ein Problem.

In Berlin gebe es inzwischen mehr Künstler als Taxifahrer, oft sei das aber dasselbe. So spottete er in einem fort, eine bitterböse Pointe reihte sich nahtlos an die nächste.

Am Schluss gab es dennoch viel freundlichen Applaus für den Kabarettisten, die ganz große Begeisterung war aber nicht zu spüren. Eine Besucherin meinte, das Programm sei ihr zu wenig bissig und zu wenig politisch gewesen. Dennoch bekamen die Zuschauer wieder Freibier von der Bühne herab gereicht – wie nach jedem Auftritt von Jürgen Becker.

von Bettina Preussner

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