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Marburg Für alle Religionen ist gleichberechtigt Platz
Marburg Für alle Religionen ist gleichberechtigt Platz
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00:20 01.09.2018
Vor rund 150 Gästen aus allen Teilen der Stadtgesellschaft wurde die Installation „5 Säulen“ eingeweiht. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Deutschlandweit einzigartig, handelt es sich bei dem Kunstprojekt um ein „Geschenk von Marburgern für Marburger“, so beschreibt es der „Förderverein Moschee Marburg“. Der Förderverein unter dem Vorsitz des Islamwissenschaftlers Professor Dr. Albrecht ­Fuess war im Jahr 2013 gegründet worden, um sich für ein gemeinsames, friedliches Zusammenleben in der Stadt einzusetzen. Für alle Religionen und Weltanschauungen müsse genügend Platz sein, sagt der Verein in seiner Einladung zur Einweihungsfeier. „Für alle ist gleichberechtigt Platz, gemeinsam leben wir unsere Stadtgesellschaft.“

Vor gut 150 Besuchern aus allen Teilen der Stadtgesellschaft, darunter Vertreter der Politik und der Religionsgemeinschaften, wurde die Lichtinstallation der Künstler Peter Scior und Florence Girod offiziell eingeweiht. Die insgesamt 40 Lichtsäulen sind aufgeteilt in acht mal fünf Röhren aus Polycarbonat.

Die „5 Säulen“ stehen für die fünf Grundpfeiler des Islam: das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Fasten im Ramadan, Almosen geben und die Pilgerfahrt nach Mekka, die gerade stattfindet. Der Imam der Marburger Moschee, Imam Asim Alqusaibi, berichtete während der Eröffnung eindringlich, dass das weiße Licht für Gott steht, von ihm leiten sich alle anderen Farben und damit alle anderen Grundpfeiler ab.

Auch in anderen Religionen spielt das Licht ja eine große Rolle, so im Judentum oder im Christentum – im Marburger Zusammenhang vor allem deswegen wichtig, weil die großen Religionen am „Runden Tisch der Religionen“ eng zusammenarbeiten – „wir wollen in Frieden miteinander leben“, sagte der Vorsitzende der islamischen Gemeinde in Marburg, Dr. Bilal Al-Jayad. „Wir arbeiten jeden Tag daran.“ Insbesondere die jüdische und die islamischen Gemeinde in Marburg pflegen einen engen Kontakt, zuletzt organisierten sie gemeinsam eine Fahrt in das frühere Konzentrationslager und heutige Gedenkstätte in Buchenwald.

Ex-OB findet Zeremonie „bewegend“

Auch dieser Gedanke der interreligiösen Zusammenarbeit soll sich in der Installation widerspiegeln. Im Mittelpunkt des Konzepts steht die Durchlässigkeit, Offenheit und Transparenz. Das wird durch die freistehenden Stelen unterstrichen. Das Farbkonzept soll je nach Wunsch der Gemeinde angepasst werden, mal stärker, mal zurückhaltender strahlen.

Zu bestimmten Anlässen, etwa während des Ramadans, ist ­eine intensivere Illumination geplant. „Bewegend“ fand Alt-Oberbürgermeister Egon Vaupel, auf dessen Anregung der Förderverein Moschee wie auch der Runde Tisch der Religionen gegründet worden war, die Zeremonie . Sie habe gezeigt, dass in Marburg die Religionen füreinander offen sind.

von Till Conrad