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Marburg Der "Weihnachtsarbeiter"
Marburg Der "Weihnachtsarbeiter"
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00:16 27.12.2018
Ulrich Biskamp, Pfarrer der Lutherischen Pfarrkirche, verbindet den von seiner Mutter vor 30 Jahren gestrickten Norwegerpullover, der für die vielen Termine in der Kälte enorm wichtig ist, seit Jahrzehnten mit den Vorbereitungen in der Adventszeit. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Bereits mit der Veranstaltung „Marburg b(u)y Night“ begann in diesem Jahr die heiße Phase der Advents- und Weihnachtszeit für Ulrich Biskamp, den Pfarrer der Lutherischen Pfarrkirche. Denn seine Kirche stand wegen der aufwändigen Lichtinstallationen in der Kirche und einer Auftaktaktion vor der Kirche besonders im Mittelpunkt des Interesses. Und seither geht es Schlag auf Schlag: Nach einer Reihe von Advents-Gottesdiensten und speziellen Konzerten in der Lutherischen Pfarrkirche gibt es ab Heiligabend noch einmal eine Reihe weiterer Veranstaltungen, bei denen Biskamp auf eine gut gefüllte Kirche hofft.

„Die Adventszeit ist besonders arbeitsintensiv“, erklärt Biskamp im Gespräch mit der OP. „Für mich persönlich fängt die Weihnachtszeit eigentlich erst am 27. Dezember an, weil ich mich dann erst einmal zurücklehnen und beispielsweise an den Kerzen erfreuen kann“, sagt der Pfarrer.

Biskamp trägt Gesamtverantwortung für Jazz-Nacht

Doch noch ist Stress pur angesagt. Und das betrifft vor allem den 24. Dezember. An Heiligabend geht es los mit einem Krippenspiel am Nachmittag: Dort steht in diesem Jahr wieder die „klassische Geschichte“ nach dem Lukas-Evangelium im Mittelpunkt. Im letzten Jahr war das Krippenspiel erstmals an eine Passage aus dem ­Koran angelehnt, in der die Weihnachtsgeschichte ebenfalls erzählt wird.

An das Krippenspiel schließt sich ein Gottesdienst an, den der Dekan gestaltet. Doch Pfarrer Biskamp bleibt nur kurze Zeit zum Atemholen. Denn er trägt die Gesamtverantwortung für die anschließende Jazz-Nacht zum Ausklang des Heiligabends. Weitere Gottesdienste und Veranstaltungen folgen an den Weihnachtsfeiertagen.

Und so wird es auch in diesem Jahr so ähnlich wie in den zurückliegenden Jahren sein, dass der Vater von vier Kindern sich für die Bescherung an Heiligabend eigentlich keine richtige Zeit nehmen kann.  Dies bedauere er zwar, aber die Familie wisse schon, dass er an diesem Tag vorwiegend arbeiten müsse, erzählte Biskamp im Gespräch mit der OP. Damit geht es ihm wie all seinen Kollegen in den anderen Marburger Kirchen.

An Weihnachten an Wohnsitzlose und Geflüchtete denken

Dennoch ist die Weihnachtszeit für Ulrich Biskamp immer wieder etwas ganz Besonderes. „Es ist die Zeit, in der viele Menschen in die Kirchen kommen“, freut sich der Pfarrer der Lutherischen Pfarrkirche. Und da gebe es am Rande der Gottesdienste und Veranstaltungen immer auch genügend Zeit für Gespräche.

Und außerdem hat Biskamp auch viele Zuhörer für seine ganz spezielle Weihnachtsbotschaft. „Gott wird Mensch, und er geht nach unten zu den Hirten, die die Tagelöhner waren“, erläutert Biskamp. Jesus werde im Stall geboren – also unter ärmlichen Verhältnissen. Gott stelle sich bewusst auf die „andere Seite“ und habe einen Blick für all diejenigen, die draußen vor seien. Diesen Blick müssten sich die Kirche und die Gesellschaft auch heutzutage bewahren, mahnt Biskamp. Er regt dazu an, auch an Weihnachten an die Wohnsitzlosen oder Geflüchteten zu denken.

Einen kleinen Beitrag dazu will Pfarrer Biskamp auch mit seinem Einsatz für ein Interkulturelles Begegnungszentrum an der Marburger Lutherischen Pfarrkirche einsetzen. Sein Anliegen ist es, dass Menschen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Herkunft friedlich miteinander leben. „Wir sind alle Gotteskinder“, bilanziert Biskamp.

Organisation keine One-Man-Show

Zwar steht der Pfarrer nach außen hin als Protagonist der Lutherischen Pfarrkirche im Rampenlicht. Doch im Gespräch mit der OP betont Biskamp, dass die Organisation der Veranstaltungen in der Kirche keine One-Man-Show sei.
„Es gibt jede Menge Menschen im Hintergrund, die mithelfen“, betont Biskamp. Dazu zählen ein weiterer Pfarrer mit einer halben Stelle sowie der hauptamtliche Küster, die Sekretärin und der Hausmeister. Nicht vergessen will Biskamp bei seiner Aufzählung aber auch die Vielzahl der ehrenamtlichen Helfer.

Als Beleg für die tatkräftige Hilfe hat er auch gleich ein Beispiel zu erzählen. So hätten beim Aufstellen des großen Weihnachtsbaums in der Kirche die Lehrer der Elisabethkirche, die gerade mit ihren Schülern für eine Choraufführung geprobt hätten, spontan mit Hand angelegt.

von Manfred Hitzeroth