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Marburg Im Tierheim Cappel ist Badetag
Marburg Im Tierheim Cappel ist Badetag
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00:18 30.07.2018
Schäferhündin Jala hat einen gewissen Coolness-Faktor – die Skibrille muss sie allerdings aus gesundheitlichen Grünen tragen, ­genießt aber dennoch das erfrischende Bad mit Tierpfleger Dennis Agel.  Quelle: Ina Tannert
Marburg

Im hohen Bogen fliegt das Leckerlie in die wassergefüllte Bademuschel. Hinterher fliegt Schäferhündin Jala, die mit der Schnauze abtaucht und den Snack geschickt aus dem kühlen Nass fischt.
Es ist Badetag im Kreistierheim in Cappel, so wie derzeit jeden Tag für die 25 Hunde. Eine Erfrischung zwischendurch ist auch durchaus angebracht bei den derzeitigen Hitzerekorden, die gerade den Vierbeinern zu schaffen machen. Das tägliche Bewegungs- und Unterhaltungsprogramm für tierische Mitbewohner sollte daher auch dem Wetter angepasst und übermäßige Anstrengungen vermieden werden.

Eine Wasserratte ist auch Peppi (rundes Bild), der am liebsten dem Gartenschlauch nachjagt. Quelle: Ina Tannert

„Mit großer Hitze kommen Hunde nicht gut klar – wenn es so warm ist, sollte man weder mit seinem Hund Joggen noch Radfahren, sonst droht ein Hitzschlag“, sagt Tierpflegerin Ramona Schweigert. Der tägliche Gassigang ist natürlich wichtig, sollte allerdings nicht während der schlimmsten Mittagshitze stattfinden, „Mittags wird besser Siesta gehalten“.

Das gilt auch für die Spaziergänger des Tierheims, die derzeit nicht wie üblich gegen Mittag, sondern morgens oder abends ihre tierischen Begleiter ausführen. Am besten an kühlen, schattigen Orten, wie im Wald. Denn auch das Laufen auf der Straße kann im Moment für Tiere zur Qual werden. „Heißer Asphalt ist schlecht für die Pfoten – man muss nur mal barfuß auf einer aufgeheizten Straße laufen, dann merkt man das“, sagt die Tierpflegerin.

Außerdem sei dabei auch das tierische „Kühlsystem“ des Körpers zu beachten. Denn Hunde und andere Haustiere können sich nicht durch Schwitzen über die Haut Abkühlung verschaffen, sondern nur über die Pfoten oder durch Hecheln. „Hunde schwitzen anders als Menschen und überhitzen schneller“, erklärt Schweigert.

Sportliche Höchstleistungen sollten derzeit tabu sein. Zur Beschäftigung der Hunde ist momentan eher Kopfarbeit gefragt: „Weniger die körperliche, sondern die geistige Auslastung ist angebracht – man kann etwa Suchspiele starten, Fährten legen oder Leckerlies in Kartons verstecken“, rät Tierpflegerin Fortuna Gathmann. Ausreichende Schattenplätze und immer erreichbare Wasserquellen für alle Tiere sollten sowieso obligatorisch sein.

Hunde-Eis aus Quark und Obst zum Selbermachen

Die größte Abkühlung bringt grundsätzlich ein feucht-fröhliches Bad im kühlen Nass. Derzeit bauen die Mitarbeiter den Hundepool des Tierheims aus und schaffen geeignete Zugänge. Eine Alternative zum fest installierten Badebecken stellen stabile Behälter dar. Mit Wasser gefüllt bieten diese Gelegenheit zum fröhlichen Badespaß für Mensch und Tier. Auch der Gartenschlauch kann eine spritzige Abkühlung sein, solange die Hunde davor keine Angst bekommen.

Leila genießt ihr Hunde-Eis. Quelle: Ina Tannert

Die täglichen Badezeiten des Tierheims genießen einige der Bewohner, zumindest die Wasserratten unter den Hunden, wie Jala. Die taucht auch noch mit Skibrille ins kühle Nass. Das sieht cool aus, ist aber an hellen Sonnentagen wegen einer Augenkrankheit sowieso Pflicht für die sechs Jahre alte Hündin, erklären die Pfleger. Für besonders schmackhafte Abkühlung zwischendurch kann auch ein selbst gemachtes Hunde-Eis sorgen. Rezepte gibt es dazu viele, etwa mit Quark, versetzt mit Bananen- und Möhrenstücken oder Leberwurst. Die zusammengerührte Masse kann in Muffinformen oder in kleinen Bechern eingefroren werden. Mit einer Kaustange in der Mitte entsteht auch gleich ein praktischer, essbarer Eis-Stiel.

Im Auto sollten Hunde niemals zurückgelassen werden

Eine weitere kühle Leckerei kann schnell im heimischen Tiefkühler hergestellt werden: einfach Quark oder Joghurt in einem hohlen Futterball gefrieren lassen. Die kühle Versuchung muss der Hund aus dem Ball schlecken und ist auch gleich noch beschäftigt.

Mit derlei Vorsorgemaßnahmen lässt sich die größte Sommerhitze auch noch mit Spaß durchstehen. Nur nicht an einem Ort, dem überhitzten Auto, wo der Hund niemals alleine zurückgelassen werden sollte, was tragischerweise dennoch immer wieder Schlagzeilen mache.

von Ina Tannert