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Marburg Von Genießern und Geplagten
Marburg Von Genießern und Geplagten
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00:18 01.03.2019
Freud und Leid im Frühling: Während sich mancher an der frischen Luft ans Werk macht, kämpfen viele Allergiker mit den Pollen. Quelle: Christin Klose
Marburg

Was können Allergiker gegen ihr Leid tun? Sollten Autofahrer schon auf Sommerreifen umsatteln? Und welche Gefahren lauern dieser Tage auf Jogger und Radfahrer? Die OP hat bei verschiedenen Experten nachgefragt.
Pollen: Tränende Augen, ­juckende Nase, Atembeschwerden: Wer über solche Symptome klagt, der ist wahrscheinlich Allergiker. Von den drei Frühblühern Hasel, Erle und Birke sei die Belastung durch Haselpollen bereits „massiv“, weiß Professor Dr. Wolfgang Pfützner, Leitender Oberarzt für Dermatologie und Allergologie am Uniklinikum Marburg.

Erlenpollen fliegen auch schon, die Belastung durch sie ist aber noch mäßig“, sagt Pfützner.
Pollengeplagte können sich auf verschiedenste Weisen helfen: Eine Nasendusche sei „sehr effektiv, um abends den Pollenschleim herauszuspülen“, empfiehlt Pfützner.

Neben Ánti­allergika in Form von Tabletten gibt es kortisonhaltiges Nasenspray, vor dessen Anwendung niemandem nicht bange sein müsse, denn: „Es wird vom Nasenschleim nicht in den Körper aufgenommen“, erklärt der Mediziner. Das vom Arzt zu verschreibende Spray ist jedoch kein Akutmedikament. Um einen maximalen Effekt zu er­zielen, müsse es etwa 10 bis 14 Tage vor Beginn der zu erwartenden Beschwerdeperiode eingenommen werden.

Eine Hyposensibilisierung (auch Allergieimpfung oder spezifische Immuntherapie genannt) brauche knapp drei Monate Vorlauf und könne durch monatliche Spritzen durch den Arzt oder aber täglich in Form von Tropfen oder Tabletten selbst verabreicht werden.
Auto: Frühlingszeit ist Autopflegezeit: Streusalz und Schnee greifen im Winter den Lack an. „Da ist es Zeit für eine Wäsche“, rät Manuela Türoff von der Pressestelle des ADAC Hessen-
Thüringen.

Dies sollte nicht bei „krassen Minustemperaturen“ und an „möglichst sonnigen Tagen“ geschehen. Laut Türoff empfiehlt sich auch eine Vorwäsche, denn: „Streusalz auf dem Lack ist wie Schmirgel­papier.“

Auch das Scheiben­reinigen und – falls nötig – der Austausch der ­Wischerblätter gehören zum Check-up. Ein Tipp für die Innenraumpflege: Fußmatten und Teppiche bekomme man gut mit Zeitungspapier trocken.

Während man Dachboxen und Schneeketten vom beziehungsweise aus dem Fahrzeug entfernen sollte, um Sprit zu sparen, ist es für einen Reifenwechsel noch zu früh. Türoff: „Generell gilt die Faustregel: von O bis O.“ Heißt: Winterreifen sollten von Oktober bis Ostern aufgezogen sein.

Auch die Nutzung von Ganzjahresreifen sei generell eine „gute Option“. Motorradfahrer sollten nach der langen 
Pause und wegen der Autofahrer, die sich erst wieder an die Zweiräder gewöhnen müssten, Vorsicht walten lassen. „Außerdem sollten sie insbesondere in den Kurven wegen Rollsplitt aufpassen“, warnt die ADAC-Sprecherin.
Garten: „Jetzt beginnt die Pflanzzeit. Radieschen oder Kräuter kann man jetzt schon vorziehen“, sagt Silke Siebelist, Betriebsleiterin des Marburger Gartencenters. Vor allem italienische Kräuter, Baumschulware, Stauden und Frühlingsblüher stünden beim Gartencenter momentan hoch im Kurs.

„Die Salatzeit beginnt jetzt auch“, sagt Siebelist. Allerdings sei es für Gemüsepflanzen im Freien noch zu kalt, Hobbygärtner sollten deshalb ein Treibhaus nutzen.

Wer junge Pflänzchen aussäen will, sollte laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) generell einiges beachten. Entscheidend sind unter anderem die drei „T“ – 
also die richtige Temperatur, der passende Termin sowie genügend Tageslicht.

Sport: „Unvernunft tut selten gut.“ Ein Sprichwort, das laut Professor Dr. Ralph Beneke, Leiter der Abteilung Medizin, Training und Gesundheit am Institut für Sportwissenschaften und Motologie der Philipps-Universität, auch als Grundsatz für das Sporttreiben im Frühjahr gilt.

„Die Gefahr, auszukühlen, ist beim Sport selbst sehr gering“, sagt Beneke. Dafür sei sie nach dem Sport groß – genau wie die Erkältungsgefahr, gerade bei Nässe und Wind. Bezüglich Sportkleidung gebe es „kein allgemeingültiges Rezept“, denn Menschen frören und schwitzten unterschiedlich schnell. Es gilt: Erlaubt ist, worin man sich wohlfühlt.

Auch hinsichtlich des Pollenflugs müsse klar sein, „dass der Körper unter Umständen reagiert“, warnt Beneke. Gegebenenfalls sei eine Anpassung der eigenen Laufstrecke ratsam.

Auch auf „banale Kleinigkeiten“ rät der Marburger Sportwissenschaftler zu achten: etwa, dass Sonne und Schatten für unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten sorgen oder dass die tief stehende Sonne die Sicht einschränkt.

von Marcello Di Cicco