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Marburg Frivoler Ein-Frauen-Minikrimi mit viel Musik
Marburg Frivoler Ein-Frauen-Minikrimi mit viel Musik
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17:37 06.03.2012
Eine Frau, viele Gesichter: Marianne Thielmann bewies ihre Wandlungsfähigkeit in der Waggonhalle.Foto: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Ein verschwundener Theaterstar, eine Unternehmergattin, die sich als Miss Marple im Pelz versucht und das Ganze garniert mit Liedern wie "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?" - das ergibt die Kriminalkomödie "Dirnenlieder", mit der Marianne Thielmann zu Gast in der Waggonhalle war.

Mit ihrem dunkelroten Mercedes Benz und dem berühmten Koffer, den man in Berlin hat, ist sie gekommen. Ein bisschen zu spät, "sagen se nüscht", aber umso bestimmter. Ein Herr aus dem Publikum darf ihr aus dem Mantel helfen, ob die Gegend sicher sei - wegen des Mercedes Benz - will sie wissen und das Durchzählen der Zuschauer ergibt kein befriedigendes Ergebnis: "Da hätt ick mir anderes verwöhnt".

Clara von Stelzenbühl hat dank ihres adligen Mädchennamens (der allerdings nur einer Adoption geschuldet ist) reich geheiratet und ist das, was man heute eine "Society-Lady" nennen würde. Sie verkehrt in Berliner Kulturkreisen und erzählt von der jüngsten Premiere in der "Stiftung zur Erhaltung des preußischen Kulturguts" - eine Stiftung, die mehr zu bieten hat als "biederes Theater", wie wir später noch erfahren werden.

Skandalös ist es zugegangen: Fräulein Kessie, der Star des Hauses, hat sich die Kleider vom Leib gerissen und nackt auf der Bühne gesungen. Seitdem ist das junge Mädchen verschwunden. Und Clara von Stelzenbühl macht sich auf die Suche. Dabei lernt das Publikum diverse Figuren wie Tänzer Theo oder Olga, den "Pfannkuchen auf zwei Beinen", kennen, die Clara herrlich herablassend parodiert.

Und natürlich gibt es Musik. Wunderbar witzige und frivole Lieder wie "Ich mag die Männer, die so schön brutal sind". Und das, obwohl Clara gar nicht singen kann. "Ick markier det hier bloß", erklärt sie dem Publikum. Die Frau, die Clara und damit auch alle anderen Figuren auf der Bühne darstellt, die kann aber sehr wohl singen und sehr viel mehr als markieren. Am Ende wird es dramatisch und Marianne Thielmann hatte Gelegenheit, einige Register ihres Könnens zu ziehen. Wie auch eine Pistole, so viel sei verraten.

Die Künstlerin lebt in Marburg und ist schon mit mehreren Solostücken zu Gast in der Waggonhalle gewesen. "Dirnenlieder" stammt aus der Feder von Anne Clausen, Dietmar Horcicka führte Regie. Die Premiere fand im Februar in Meiningen statt, wo das Stück auch im April wieder zu sehen sein wird. Fans in Marburg müssen sich bis zum Juni gedulden, dann spielt Marianne Thielmann in der Waggonhalle "Die heilige Johanna der Einbauküche".

von Nadja Schwarzwäller