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Marburg Frischer Wind für Marburger Museen
Marburg Frischer Wind für Marburger Museen
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19:06 12.06.2012
Dr. Christoph Otterbeck steht im Eingangsbereich des Museums in der Biegenstraße. Dort stapeln sich Kartons mit Exponaten, die aufs Schloss gebracht werden. Fotos: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Seit zwei Monaten leitet Dr. Christoph Otterbeck das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität. Seither residiert der 44-jährige Kunsthistoriker im Ernst-von-Hülsen-Haus auf einer Baustelle und inmitten von Kartons. Dabei haben die Bauarbeiten noch gar nicht richtig begonnen. Seit Monaten verpacken die Mitarbeiter zehntausende Exponate der kulturgeschichtlichen Sammlung und schaffen sie ins Schloss.

Das große Depot im Keller des Gebäudes ist mittlerweile leergeräumt. Nur wenige kennen diese gut bewachten Räume, in denen neben kulturhistorischen Exponaten gut 1000 Gemälde und rund 7000 Papierarbeiten lagerten.

Die Gemälde hängen derzeit alle im Museum - bis das Depot saniert ist. Erst dann kommen sie alle zurück ins dann noch besser geschützte Lager und erst danach kann mit der Sanierung der Außenhülle des Gebäudes begonnen werden.

Das leere Depot eröffnet den Marburgern zur Nacht der Kunst am Freitag, 22. Juni, aber die einmalige Chance, die gut verborgenen Räume kennenzulernen - bei einer Ausstellung der Lehrenden des Instituts für Bildende Kunst, sagt Otterbeck. Es wird für mehr als drei Jahre die letzte Chance sein, das Museum von innen zu sehen.

4,9 Millionen Euro kostet die Sanierung der Außenhülle des 1927 errichteten Gebäudes, das neben dem Museum eine Reihe von Instituten beherbergt. Für die Sanierung der Innenräume werden nach Auskunft vin Uni-Vizepräsident Professor Joachim Schachner noch einmal zwei Millionen Euro benötigt. Diese Millionen sind noch nicht da, die Uni hoffe auf Sponsoren, sagte Schachtner.

Die Sanierung der Museumsräume soll „das elegante Raumprogramm“ wieder offenlegen, das durch Einbauten ziemlich beeinträchtigt worden sei, sagte Otterbeck. Die Ausstellungsfläche wird wachsen auf 1700 Quadratmeter, die Rundgänge werden wieder hergestellt. So das große Ziel. Otterbeck will zum Start dann die Sammlung in einem neuen Kontext zeigen und die Sammlung Eitel präsentieren, eine große Schenkung moderner Kunst an das Museum. Später will der Museumsdirektor die Dauerausstellung immer wieder verändern und auch wechselnde Ausstellungen präsentieren.

Das Ernst-von-Hülsen-Haus ist nicht seine einzige Baustelle. Stadt und Universität versprechen sich viel von einer Neukonzeption der Ausstellungen im Landgrafenschloss, das derzeit von rund 35000 Menschen jährlich besucht wird und eine weltweit einzigartige aber nahezu unbeachtete Sammlung mittelalterlicher Schilde beherbergt. Drei Ausstellungen sollen frischen Wind ins Schloss bringen: Im Dezember wird „Echt hessich. Land, Leben, Märchen“ eröffnet - eine Schau, die einen neuen Blick auf die Brüder Grimm werfen will. Zwei jahre soll sie zu sehen sein.

Ab Februar 2013 ist die neu konzipierte Sammlung zur Vor- und Frühgeschichte zu sehen. Ende April folgen Mumien mit Beständen aus Uni-Sammlungen.

Es sollen nur erste Schritte „auf einem neuen Feld sein“, so Schachtner. Die Uni sei in Gesprächen mit der Stadt über die Zukunft des Schlosses, das ein Touristenmagnet werden könnte, ohne die universitären Sammlungsziele aufzugeben.

von Uwe Badouin

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