Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Fremde Rhythmen füllen die Kirche

Misa criolla ider Pfarrkircge Fremde Rhythmen füllen die Kirche

Der in Brasilien geborene Jean Kleeb holte mit seinem Gospelchor „Joy of Life“ Musik aus seiner Heimat in die Pfarrkirche. Zusammen mit Musikern aus Südamerika füllte er die Kirche mit besonderen Klängen und Rhythmen.

Voriger Artikel
Kultureller Austausch für einen guten Zweck
Nächster Artikel
Herder-Institut zeigt „Danzig im Luftbild“

„Joy of Life“, der Gospelchor der Kurhessischen Kantorei, führte mit vielen Musikern unter Leitung von Jean Kleeb die „Misa criolla“ auf.Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Das Programm war sehr vielversprechend. Die bekannte „Misa criolla“ und Teile der „Misa por la paz y la justicia“ des argentinischen Komponisten Ariel Ramírez waren angekündigt. Dazu waren Musiker aus Südamerika zu Gast, unter anderem Diego Jascalevich. Der argentinische Charangovirtuose verzauberte das Publikum und bewies, warum Weltstars wie Peter Gabriel ihn gerne zu sich auf die Bühne holen. Jascalevichs Finger wanderten auf der kleinen Gitarre atemberaubend schnell hin und her. Und wenn er die Saiten schlug, und nicht zupfte, dann war seine Hand so schnell, dass man es mit bloßem Auge nicht klar sehen konnte.

Zu Beginn des Konzertes wurden die uns fremden Instrumente kurz vorgestellt wie die Panflöten-Form Siku, die Bombo-Trommel oder der Berimbau, eine Art Bass-Musikbogen afrikanischen Ursprungs. In drei kleinen Musikstücken wurden sie vorgestellt. Gleich das erste Stück mit zwei Gitarren erfüllte die Pfarrkirche mit einem herrlich ruhigen und warmen Klang. Das Vater-Sohn-Gespann Heyson Vargas und Vincente Vargas Martinzes luden auf sehr gefühlvolle Art zum Träumen ein.

Dann erklang die kreolische Messe. Typisch kreolisch erlebte man hier ein Gemisch aus geistlicher Chormusik in Verbindung mit Folklore und populärer Musik. Die Messe entstand 1964 und nach dem Zweiten Vatikan-Konzil Anfang der 1960er Jahre durfte Ramírez seine Messe in der Landessprache Spanisch vertonen.

Es ist eine Komposition die wahrlich ins Blut geht. Beim schwungvollen Gloria, bei dem der Gospelchor mit Stimmgewalt brillierte, wippten einige im Publikum mit ihren Füßen mit. Ein paar Eltern, die mit ihren Kindern nach dem Martinszug zum Konzert gekommen waren, tanzten neben den Reihen und auf der Empore mit ihnen. Es war eine ausgelassene Stimmung. So war es kaum verwunderlich, dass das Publikum mit seinem Applaus nicht bis zum Ende der Messe warten wollte.

Die „Misa por la paz y la justicia“ (Messe für den Frieden und für die Gerechtigkeit) war nicht so fulminant wie die „Misa Criolla“. Dafür waren hier die Instrumente deutlicher zu hören. Dazu hörte man den Chor lautmalerisch ganz homogen, wie einen Klangteppich. Zugleich wehmütig und beschwingt.

Beim „Psalm 150“ aus der Messe, im Originaltext ein Reigentanz, wurde kräftig und mit viel Spaß noch einmal alles gegeben. Ebenso wie es Moderatorin Andrea Wöllenstein angekündigt hatte: In Südamerika tanzen die Engel etwas anders.

Nach einer bombastischen Zugabe von Diego Jascalevich und Jean Kleeb bebte das ganze Publikum, keinen hielt es mehr auf seinem Platz. Ein tolles Ende für einen grandiosen Konzertabend.

von Mareike Bader

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg