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Marburg Franz Josef Strauß ist wieder da
Marburg Franz Josef Strauß ist wieder da
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17:21 23.04.2017
Der bayerische Kabarettist Helmut Schleich reanimiert den CSU-Polit-Haudegen Franz Josef Strauß.Foto: Benjamin Kaiser
Marburg

Die Zuschauer ver­fallen am Donnerstagabend in flächendeckendes Kichern, als sie sich dem schillerndsten bayerischen Politiker der Nachkriegszeit gegenüber sehen. In bayerische Tracht gehüllt, die dicken Brillengläser auf der Nase und den Kopf beim Reden einziehend, brilliert Helmut Schleich in seiner Paraderolle als der von den Toten wiederauferstandene CSU-Politiker Franz Josef Strauß, der 1988 verstarb. Allein diese 15 Minuten sind den Eintritt wert.

Das bayerische Kabarett verdanke seine herausragende Rolle in erster Linie der CSU-Politik, erklärt Schleich. Und so gibt sich sein Strauß in aller posthumen Bescheidenheit als selbstgefälliger Narziss, aber auch als politisch Geläuterter. „Ich war der Boss! Daher waren in meiner CSU angestellte Verwandte, gesponserte Geburtstagsfeiern oder gefälschte Doktortitel kein Skandal. Das war der Wesenskern meiner Partei“, zieht er Resümee.

So blickt der reanimierte Strauß auf das, was von seiner Partei geblieben ist nach 30 Jahren ohne ihn – und er ist nicht amüsiert: Bayern habe mit politischen Schachzügen einst Weltpolitik geschrieben, sei dank der jämmerlichen CSU mittlerweile aber ordentlich auf den Hund gekommen. In der Verantwortung sieht er Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, den „Wolfratshausener Kamillenteesieder“, Bayerns derzeitigen Ministerpräsidenten Horst Seehofer sowie Ex-Generalsekretärin Christine Haderthauer, die „fehlgeleitete Ingolstädter Donauschnepfe“.

Strauß’ Wehklagen kennt kaum Grenzen. Kabarettist Schleich nutzt den alten Polit-Haudegen, um gekonnt die Missstände in seinem „geliebten Bayernland“ zu sezieren, in dem die politische Elite das Volk mit Sprüchen von der politischen Resterampe zu ködern versuche. Damals, meint sein Strauß, war angeblich alles anders – genauer: besser. „Freie Wähler gibt’s jetzt in Bayern. Wo soll denn eine satte CSU-Mehrheit herkommen, wenn der Wähler in Bayern frei ist?“, schwadroniert Strauß und erinnert sich an die „christlich-sozialen Wahlfahrten“ zu seinen Zeiten, als die Bayern andächtig in die Wahllokale pilgerten.

So brillant wie Schleich Strauß verkörpert, so durchwachsen ist der Rest seiner Darbietung. Die krankt vor allem daran, dass der Oberbayer Themen aufs Korn nimmt, die entweder zu wenig kontrovers oder zu sehr kleinbürgerlich anmuten. Das wird auf eklatante Weise deutlich, wenn sich der 49-Jährige über geheimdienstliche Abhörattacken und halbseidene Geschäftsangebot im Internet auslässt.

Schleich bricht keine Tabus und gibt kaum Anstöße für neue Denkansätze. So bleibt der Plot der Show bisweilen fad und auswechselbar. Mit Ausnahme seiner Strauß-Nummer.

von Benjamin Kaise

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