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Marburg Bunter Stilmix mit „dicken Backen“
Marburg Bunter Stilmix mit „dicken Backen“
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19:00 03.01.2018
Die Posaune in ihrer ganzen Vielfalt brachten Péter Magyar (von links), Olivér Gáspár, János Angyal und Péter Gyetvai dem Publikum beim Neujahrskonzert näher. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Nicht mit Pauken und Trompeten, dafür mit stimmungsvollen Posaunenklängen begrüßte die Kirchengemeinde das neue Jahr.

Dazu hatte die Kirche alte Bekannte eingeladen und gab dem Jahresbeginn eine musikalisch-biblische Note. Wer da dachte, dass an diesem Abend ausschließlich Kirchenlieder oder ein Posaunen-Klischee nach sogenannter Dicke-Backen-Musik erschallen würde, der wurde eines Besseren belehrt. Das dynamische Quartett „Four Bones“ brachte eine wahre Vielfalt an musikalischen Stilen und ­eigenen Kreationen mit in die Kirche.

Harmonisch aufeinander abgestimmt holten die vier Posaunisten Péter Magyar, Olivér Gáspár, János Angyal und Péter Gyetvai hörbar alles aus ihren Instrumenten heraus. Angeführt vom Knattern der dominanten Bassposaune spielten sie quasi die Musikstil-Leiter hinauf und hinunter.

Von opulenten klassischen Stücken über Volkslieder aus ihrer Heimat oder peppige Jazz-Kompositionen bis zum scharfen Tango: Mal zackig und schnell, mal feierlich und pathetisch, mal verspielt schickten die Ungarn die Zuhörer auf ­eine musikalische Reise durch die Musikgeschichte von Osteuropa bis in die USA.

Pfarrer verweist auf Bibelpassage

Das blecherne Auf und Ab und die eigenen Interpretationen des Quartetts kamen gut an beim begeisterten Publikum und waren teils wie geschaffen für die weit tragende Akustik des alten Gemäuers. Das füllten die Musiker mit Klängen, die man eher selten in einer altehrwürdigen Kirche zu hören bekommt und die dennoch in Gänze überzeugen konnten.

Viele Stücke wurden eigentlich für ganze Orchester geschrieben: Auszüge aus Tschaikowskis „Nussknacker“ oder Larionows „Kalinka“ nur mit vier Posaunen? Kein Problem für die geschulten Musiker, die sich vor Jahren als Musikstudenten zusammenfanden. Die vier Künstler, alle zwischen 27 und 37 Jahre alt, haben sich fest der Posaune verschrieben und touren seit Jahren durch alle Kontinente, um den Klang eines „eleganten und extraordinären Instruments“ in die Welt zu tragen, wie sie selbst sagen.

Das Konzert fand anstelle ­eines Neujahrs-Gottesdienstes statt – Posaunenklänge in der Kirche seien da ebenso passend, ja „geradezu biblisch“, sagte Pfarrer Ulrich Biskamp. Spricht doch die Offenbarung von Posaunen und Engeln, die das Gericht Gottes einleiten. So weit kam es dann an diesem Abend nicht, doch die Konzertbesucher konnten sich den Start ins neue Jahr „mit einem wunderschönen Konzert versüßen“, lobte der Pfarrer.

von Ina Tannert