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Marburg Football-Fan kramt im Karten-Keller
Marburg Football-Fan kramt im Karten-Keller
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00:15 10.01.2014
Die Oakland Raiders gehören seit Jahren zu den schwächsten US-Footballteams. Anthony Mackenzie, der in Houston (Texas) geboren wurde, hat den Außenseiter-Klub gerade deswegen in sein Herz geschlossen. Quelle: Björn Wisker
Marburg

Das Ei fliegt. Ein Student streckt die Arme aus. Er fängt den Ball. Es scheppert als ein Gegenspieler in seinen Brustkorb rauscht. Entfernt hört der Student die Massen jubeln - er hat es wohl geschafft, Touchdown, Sieg.

Die Ragin‘ Cajuns des US-Colleges Louisiana-Lafayette haben an diesem Novembertag im Jahr 2000 die Konkurrenten der Idaho Vandals bezwungen. 31:28, vor 20 000 Zuschauern. Anthony Mackenzie war der Held, er fing den Pass seines Quarterbacks - einer Art Spielmacher - und markierte die entscheidenden Punkte Sekunden vor der Schlusssirene.

Superstars und Außenseiter

„Das war der Höhepunkt meiner aktiven Footballerzeit“, sagt der Marburger. Als Student spielte er, wie zuvor schon in seiner texanischen Highschool, vier Jahre lang im Nachbarstaat Louisiana. Er hatte ein Stipendium, konnte durch den Sport sein Studium finanzieren. Für eine Profikarriere reichte es nicht. Stattdessen: US-Army, Auslandseinsätze in Afghanistan, im Irak. American Football rückte in den Hintergrund.

Die Liebe zu dem Sport ist jedoch nie abgeebbt. Vor fünf Jahren knüpfte Mackenzie an ein Hobby aus Kindheitstagen an: das Sammeln. Die Szene-Stars der 1980er und 1990er stapelten sich bei ihm einst in Schuh-boxen - auf Papier, als Tauschkarten. Heute beherbergt ein Keller im Haus seiner Ehefrau in Cappel eine umfangreiche Sportartikel-Sammlung: Trikots, Wimpel, Plastikfiguren, Bilder, Fotografien.

Und Karten, Tausende Karten mit Football-Profis der vergangenen Jahrzehnte. Neben aktuellen Superstars wie Peyton Manning auch weniger bekannte Namen wie Lance Zeno, Jack Lambert oder O.J. McDuffie - insgesamt, schätzt der 35-Jährige, besitzt er zwischen 4000 und 5000 Porträt-Karten. „Alle Spieler aus allen Klubs seit Ligastart zu haben, ist fast unmöglich“, sagt er.

Er hat knapp 5000 Karten, mehr als 50 000 fehlen noch

Der Grund: Ein Football-Kader jeder Profi-Mannschaft - heute sind es 34 - zählt 70, 80 Spieler. Die erste Meisterschaft, der Super Bowl, wurde vor 47 Jahren (1967) ausgetragen. Mackenzie fehlen somit noch zehntausende Karten. Und es dürfen ohnehin nicht irgendwelche Motive sein, die in seinen Regalen und Kartons lagern. Die Bildkarten müssen originalverpackt sein, in Plastikhüllen oder verschweißt. „Im Idealfall sind sie signiert, das ist aber nicht ganz so wichtig“, sagt er. Nur bei seinem Lieblingsverein, den Oakland Raiders, da forscht er nur nach unterschriebenen Exemplaren.

Oakland, das ist ein Klub, der in der Vergangenheit recht miserabel abschnitt, die Playoffs - die Meisterschaftsrunde der besten acht Teams - seit Jahren deutlich verpasst. „Ich mag Außenseiter“, sagt er. Wieso? Als Aktiver bei Louisiana-Lafayette in der College-Liga NCAAF - die unter amerikanischen Footballfans wegen der lokalen Team-Wurzeln oft beliebter ist und mehr Zuschauer anzieht als die professionelle Liga NFL - spielte Mackenzie auch bei einer Mannschaft, die eher als Prügelknabe gilt. Im Gegensatz zu Marburgs Top-Footballern, den Mercenaries. „Die schaue ich mir immer mal wieder an“, sagt er. Jedoch: „Die spielen zwar ganz gut, das ist aber kein Vergleich zu Mannschaften aus den USA“, sagt er. Und: Sammelkarten von Mercenaries-Spielern existieren auch nicht. Gibt es von ihm, der bis vor zwölf Jahren die Nummer 54 trug, eigentlich eine? Mackenzie lacht, schüttelt den Kopf: „Aber immerhin bin in den Uni-Jahrbüchern zu sehen.“

Hintergrund:

American Football gilt neben Baseball und Eishockey als der US-amerikanische Volkssport. Der Super Bowl, das Football-Finale, zählt mit 800 Millionen Zuschauern zu den populärsten TV-Ereignissen der Welt. Aktuell laufen die Playoffs.Am 2. Februar 2014 wird Sat1 das Endspiel live übertragen.

von Björn Wisker

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