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Folkrock zwischen Regal und Sofa

Konzert Folkrock zwischen Regal und Sofa

Was tun zwei frisch Verheiratete aus Nashville, nachdem sie in Tennessee und Schottland geflittert haben? Sie starten zu einer „Honeymoon“-Tournee durch Europa. Und spielen in Marburg in einem Wohnzimmer.

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Tammy Rochelle und Joseph Bamber verwandeln das Wohnzimmer in einen Konzertsaal.Foto: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Ein Sommerabend in einer ruhigen Straße am Ortsrand von Cappel. Zwei Dutzend Menschen sitzen zusammen; einige kennen sich untereinander, andere auch nicht. Es ist ein bisschen eng, aber es duftet herrlich nach Popcorn. Vom Balkon kommt ab und an eine frische Brise und es werden Schüsseln mit Knabbereien durchgereicht. Klingt an sich nicht weiter ungewöhnlich? Ist es aber. Es handelt sich dabei nämlich nicht um eine Party oder einen Spieleabend, sondern um ein Konzert.

In der Woche zuvor hatten Alexander und Dinah Hirsch über Facebook Freunde und Bekannte dazu eingeladen: Ein Hauskonzert mit „Chasing Summer“. In ihrem Wohnzimmer. 30 Leute maximal. Gastgeber und Gäste waren gleichermaßen gespannt, was daraus werden würde. Ebenso wie die Künstler.

„Chasing Summer“ (zu deutsch: den Sommer jagen) - das sind Tammy Rochelle und Joseph Bamber aus Nashville. Vor zwei Monaten haben die beiden geheiratet und nun sind sie auf einer Tournee durch Europa, die sie passenderweise „Honeymoon“ (Flitterwochen) genannt haben.

Sie spielen in Clubs und auf Festivals, und sie spielen auch in Wohnzimmern. Öffentliche und private Hauskonzerte stehen in mehreren Städten auf ihrem Tourplan. Dass sie dort meist nur sehr wenig Zuschauer haben, führt nicht dazu, dass sie weniger nervös sind. „Man sieht allen direkt in die Augen“, sagt Tammy Rochelle, die Deutsch spricht und Deutschland schon oft besucht hat. Sie ist im Jahr 2000 auf der EXPO in Hannover aufgetreten und hat seitdem auf allen fünf Kontinenten getourt.

„Wenn nicht alle mitsingen, gibt es keine Pause“

Aus Hannover kennt sie auch noch den Marburger Manuel Steinhoff, der sie und Joseph nun beim Hauskonzert bei einigen Stücken auf dem Bass begleitete. Das Duo spielt Folk-Rock, oder genauer gesagt (und nahezu unübersetzbar) „stomp-clapping, newgrass-infused Americana“. Die beiden leben inzwischen in Nashville, dem „Country-Mekka“ der USA und dieser Einfluss ginge einem ins Blut, sagen die beiden - selbst wenn man es gar nicht wolle. Sie singen von dem, was sie bewegt, von ihrer Liebe und auch von ihrem Glauben und sie genießen es sichtlich, mit ihrem Publikum zu interagieren.

Wenn nicht alle laut mitsingen, gibt es keine Pause, droht Tammy zum Beispiel lachend. Und nachdem sie ankündigt, einen Song auf Deutsch zu singen, der eine „ganz tiefe Botschaft“ hat, gibt es eine hinreißende Version von „Alle meine Entchen“ zu hören. Zwischendurch erzählen sie die Geschichte hinter einem Song oder sie erzählen von ihren Reisen - auf denen sie die Menschen immer ansehen, als seien sie verrückt, sagt Joseph, wenn sie mit ihrem kompletten Soundsystem, zwei Gitarren, einer Ukulele, Rucksäcken, Koffer und Laptops unterwegs sind.

Ihre Musik ist handgemacht, unaufgeregt und einfach schön. Und sie passt perfekt in dieses Wohnzimmer, wo Tammy in ihren Flipflops den Takt aufs Laminat klopft, wo ein kleines Mädchen auf Mamas Schoß einnickt und wo statt einer Kasse eine Legobox steht, die Dinahs und Alexanders Sohn extra für diesen Abend gebastelt hat.

„I’m here with you and there’s no place I’d rather be“ singen Tammy und Joseph in einem Lied - ich bin hier mit Dir und es gibt keinen Ort, an dem ich lieber wäre. Und man schaut sich um und denkt in diesem Moment: Stimmt.

Von Nadja Schwarzwäller

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