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Fesselnde Bilder eines US-Traumas

Kino: Zero Dark Thirty Fesselnde Bilder eines US-Traumas

Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow bringt die Jagd auf Osama bin Laden ins Kino - und sich damit ein weiteres Mal für die begehrte Film-Trophäe ins Gespräch.

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CIA-Analystin Maya (Jessica Chastain) ist auf der Suche nach Obama bin Laden. „Zero Dark Thirty“ ist für fünf Oscars nominiert.Foto: Jonathan Olley

Quelle: Universal

Marburg. Die Nachricht ging um die Welt. Am 2. Mai 2011 verkündete US-Präsident Barack Obama: „Osama bin Laden, der meistgesuchte Terrorist der Welt, ist tot.“ Mehr als anderthalb Jahre nach seinem Tod kommt die Jagd auf den Topterroristen nun ins Kino und geht mit fünf Nominierungen ins Oscar-Rennen.

Regisseurin Kathryn Bigelow, die mit ihrem Kriegsfilm „Tödliches Kommando“ 2010 als erste Frau den Regie-Oscar gewann, erzählt die Geschichte aus Sicht der jungen CIA-Agentin Maya (Jessica Chastain). Die verschreibt sich, frisch von der High School rekrutiert, dieser zunächst fast aussichtslos wirkenden Jagd bedingungslos. Die Suche, das merkt die junge Frau schnell, gleicht der nach der Nadel im Heuhaufen. Gleich bei ihrem ersten Einsatz in Pakistan muss Maya begreifen, dass auch Folter künftig zu ihren Mitteln gehören wird.

Zu Beginn des Filmes sieht sie zu, wie ihr Kollege Dan (Jason Clarke) einen Verdächtigen mit Waterboarding, simuliertem Ertrinken, quält und ihn in eine Kiste sperrt. Sie kann zuerst kaum hinsehen, hilft aber dabei - auch wenn der Verdächtige sie um Hilfe anfleht.

Wegen dieser Sequenzen löste der Film in den USA schon vor Kinostart eine Folter-Debatte aus. Im Film ist sie ein wichtiges Mittel für den Erfolg der Suche nach bin Laden. Gerade dadurch aber, dass Bigelow das einfach und scheinbar ohne Wertung darstellt, entfaltet ihr Film eine immense moralische Wucht.

Chastain spielt die junge, besessene Agentin, die keine Emotionen zulässt mit einer großen Intensität und Präsenz. Dafür erhielt sie schon einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin.

„Zero Dark Thirty“ handelt von falschen Fährten, von Rückschlägen, von kollegialem Misstrauen, von Folter und Schmerz, von Terror und Einsamkeit. Es ist ein Abriss der jüngsten Zeitgeschichte, geht ein auf die Anschläge vom 11. September 2001 und auf die von London im Sommer 2005, aber auch auf Diskussionen um Abu Ghuraib, Guantanamo und die Frage nach der Würde des Menschen.

„Zero Dark Thirty“ ist ein Ausdruck im Militärjargon und bezeichnet eine halbe Stunde nach Mitternacht - den Zeitpunkt, zu dem der Sturm auf bin Ladens Versteck begann, und den Zeitpunkt, in der sich die Filmatmosphäre dramatisch ändert.

Bigelow erzählt die Geschichte frei von Pathos, aber auch ohne erhobenen moralischen Zeigefinger. Sie hat einen unglaublich spannenden und bildgewaltigen Film vorgelegt, dessen Wucht dem entsprechen dürfte, was die Jagd auf Osama bin Laden für die USA bedeutete.

Der Film läuft im Cineplex.

von Britta Schultejans

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