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Von Grippe-Impfungen und der Bob-Kanal-Liebe

Fast Forward Theatre im KFZ Von Grippe-Impfungen und der Bob-Kanal-Liebe

Williams Otako Mpaata kommt aus der Millionenstadt Kampala. Er ist wohl der erste Komiker aus Uganda, der jemals im KFZ aufgetreten ist. Er machte mit beim Improvisationstheater.

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Die Marburger Improvisationstheater-Heroen Martin Esters (links) und Tom Gerritz (rechts) bekamen im KFZ Verstärkung von dem Komiker Williams Otako Mpaata aus Uganda.

Quelle: Beatrix Achinger

Marburg. Die Grippewelle erfasst das Land. Die wenigen, die sich nicht infiziert haben, können daher keinen Strandurlaub machen, die Arbeitsausfälle sind zu groß. Die Lösung: Massenimpfungen.

Als Martin Esters vom Fast Forward Theatre am Freitagabend die rund 100 Zuschauer der Improvisations-Theater-Show um Einfälle bat und keine Grenzen setzte, nahmen diese ihn beim Wort. Sehr zugunsten des Unterhaltungswerts. Denn was Esters und sein Kollege Tom Gerritz vom Fast Forward Theatre und der Schauspieler Williams Otako Mpaata aus Uganda auf Zuruf darstellten, war brüllend komisch, dabei politisch, sozialkritisch oder einfach grotesk – und das sogar dreisprachig: auf englisch, deutsch und in Otakos regional-afrikanischer Muttersprache.

Dass der ugandische Schauspieler Mpaata mit dem Fast Forward Theatre im KFZ spielte, hatte sich kurzfristig ergeben und ist einer Kette von Zufällen zu verdanken. Otako war in seiner Heimat mitten im Lehramtsstudium, als in ihm der Wunsch aufkam zu reisen. „Also musste ich Schauspieler werden“, erzählt er zu Beginn des Abends auf englisch. Seine Affinität zur Bühne hatte er schon zu Schulzeiten. Heute ist das Nationaltheater in der ugandischen Hauptstadt Kampala sein zweites Zuhause, dort sind vor allem seine Comedy-Night-Shows berühmt.

Familie betete, als Mpaata auf große Weltreise ging

„Reisen ist keinem Ugander eigen“, erzählt er weiter. Er sei der Erste aus seiner Familie, der je gereist sei: „Sie haben alle gebetet.“ Nach Thailand, Bangladesh, Großbritannien, Frankreich und China führte ihn sein Weg.
Gerade in Hongkong habe er sich sehr allein gefühlt. Denn als er die U-Bahn betrat, seien die Einheimischen erstmal ein Stück weggerückt und im Restaurant habe der Kellner sein Geld nicht annehmen wollen. Es sei für ihn ein großer Moment gewesen, dem ersten Dunkelhäutigen in der großen, hektischen Stadt zu begegnen.

Als Tom Gerritz und Martin Esters mit auf die Bühne kamen, orientierten sie sich darauf aufbauend zunächst an einer aktuellen Schlagzeile: „Erste Tafel nimmt nur Deutsche auf“. Alle auf englisch spielend, versuchte Otako, bei dem Tafel-Mitarbeiter drei Orangen zu bekommen. Und das funktionierte am Ende. Nachdem er aufgehört hatte zu lächeln und dem Mitarbeiter beim Begrüßen die Hand fast zerquetschte, blieb kein Zweifel mehr, dass er Deutscher sein musste.

Besonderen Applaus bekamen Esters und Gerritz für ihr spontanes „Lied der flüchtigen Bob-Kanal-Liebe“: Bei einem Bob-Rennen bei den Olympischen Spielen verloren sie ihr Herz aneinander und besangen es gegenseitig. Derweil holte der wahre Bob-Fahrer, Otako aus Uganda, die Medaille.

Nach dem offiziellen Programm gaben die drei Schauspieler den Gästen die Möglichkeit zum Austausch. Otako sagte, er sei mit dem Impro-Theater-Abend sehr glücklich. Heute leitet er in Uganda übrigens seine eigene Theaterorganisation. Der Kontakt zum Marburger Fast Forward Theatre entstand bei einem Theaterfestival in Köln.

von Beatrix Achinger

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