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Marburg Falscher Polizist im Landkreis festgenommen
Marburg Falscher Polizist im Landkreis festgenommen
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14:02 25.02.2019
Bereits Anfang Januar klickten die Handschellen bei einem jungen Mann aus dem Landkreis. Mittlerweile ist der "Mittelsmann" wieder auf freiem Fuß. Quelle: Archivfoto
Landkreis

Ende Dezember und Anfang Januar erhielten zwei Senioren (78 und 90 Jahre alt) aus Freiburg und Dresden Anrufe eines Unbekannten, der sich als Mitarbeiter der örtlichen Polizei ausgab. Der geschulte Anrufer suggerierte den Opfern, dass ein internationaler Haftbefehl wegen illegaler Tätigkeiten in der Türkei gegen sie vorliegen würde. In diesem Zusammenhang übermittelte er die Rufnummer eines vermeintlichen Beamten des Bundeskriminalamtes, der über weiteres Detailwissen verfüge. Dies berichtet die Polizei in einer Pressemitteilung vom Montag (25. Februar)

Eine Anklageschrift, das BKA und Interpol

Über die angegebene Rufnummer riefen die Senioren den angeblichen BKA-Beamten an. Der teilte ihnen sodann mit, dass die drohende Festnahme und Auslieferung sowie jedwede weiteren repressiven Maßnahmen der
Behörden nur durch die Zahlung einer Kaution zu verhindert seien. "Tage später erhielten die beiden Rentner per Post beziehungsweise E-Mail eine täuschend echt aussehende Anklageschrift, unter anderem mit einem
Wappen von Interpol, um den Ernst der Lage zu untermauern", heißt es in der Pressemitteilung. Mit den Schreiben ging eine fingierte, gefälschte Verschwiegenheitserklärung des Bundeskriminalamtes ein, welche die Opfer zu absolutem Stillschweigen verpflichtete.

Festnahme

Immer wieder muss die Polizei über falsche Polizeibeamte berichten. Dabei sind dem Ideenreichtum der Betrüger keine Grenzen gesetzt. Die europaweit agierenden Täter verfeinern und variieren immer wieder ihr Vorgehen, wobei das Ziel immer gleich ist. Sie wollen an das Ersparte der ausgesuchten Opfer. Erfahrungsgemäß geraten insbesondere ältere, arglose Menschen in das Visier der Täter. Die Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei aus Marburg nahmen bereits Anfang Januar einen 24 Jahre alten Mann aus dem Landkreis fest. Die zuständige Richterin des Amtsgerichtes Marburg erließ den von der Staatsanwaltschaft Marburg beantragten Untersuchungshaftbefehl wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr.

Letztendlich übersandten beide Opfer unter dem enormen Druck einen Betrag von 12.500 beziehungsweise 6.500 Euro per Expresssendung an eine Anschrift mit einem erfundenen Namen im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Die nachfolgenden Ermittlungen führten die Staatsanwaltschaft und Polizei Marburg-Biedenkopf zu dem 24-Jährigen aus dem Landkreis. Die Ermittler nahmen den jungen Mann nach "operativen Maßnahmen" fest und
stellten bei zwei anschließenden Wohnungsdurchsuchungen umfangreiches Beweismaterial sicher. Unter anderem sicherten die Ermittler einen Teil der Beute, hier die 12.500 Euro. Das Geld erhielt eines der Opfer mittlerweile im Rahmen der sogenannten "Rückgewinnungshilfe" zurück.

Verantwortliche sitzen im Ausland

Nach Erkenntnissen der Behörden handelt es sich bei dem geständigen Festgenommenen lediglich um einen Mittelsmann, der für die Entgegennahme und Weiterleitung des Geldes ins Ausland eine Provision
kassierte. Der Richter setzte den gegen ihn erlassenen Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug, sodass sich der Mann derzeit nicht in Haft befindet. Die tatsächlich Verantwortlichen sitzen im Ausland. Die Ermittlungen im Fall dauern an.

Die OP bemüht sich um weitere Stellungnahmen zum Thema und aktualisiert diesen Text fortlaufend.