Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Bahnhofstraße ächzt unter Verkehrslast
Marburg Bahnhofstraße ächzt unter Verkehrslast
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:01 24.05.2018
Sichtbarer Schotter und Sand statt einer geschlossenen Asphaltdecke: Ein Teil der Bahnhofstraße ist so stark beschädigt, dass die Stadtverwaltung in Kürze eine Baustelle auf der Haupteinfallstraße nach Marburg einrichten wird. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Meterlange Furchen, weitläufige Risse, zentimeter-
tiefe Krater, wo der Erdboden hindurch schimmert: Auf rund 20 Metern zwischen einem Feinkostladen und einem Ärztehaus fahren Autos durch eine Senke, die rechten Räder der Fahrzeuge kippen sichtbar ab.

Bei der Delle in der Bahnhofstraße handelt es sich offenbar nicht um ­
einen oberflächlichen, etwa winterfrostbedingten Fahrbahn-
schaden. Das Problem sitzt wohl tiefer: Der Untergrund ächzt offenbar unter den Lasten. Unter dem Gewicht von einer steigenden Zahl Autos, Bussen, Transportern und Lkw, die sich ihren Weg in Richtung Behringwerke oder Stadtzentrum bahnen.

„Der Straßenunterbau ist ­beschädigt“, sagt Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU). Das sei der Stadt bekannt und der Auftrag zur Beseitigung der Schäden sei bereits erteilt – dazu solle jedoch keine weitere Fahrspur gesperrt werden, versicherte er.

Problem muss zügig gelöst werden

Vielmehr wolle man auf der ­gegenüberliegenden Seite temporär Parkplätze entfernen, um den Verkehr „verschwenkt“ fahren zu lassen. „Die Bauarbeiten haben keine Zeit, bis die Arbeiten an der Weidenhäuser Brücke fertig sind“, sagt Stötzel, man müsse sich des Problems zügig annehmen.

Geplant sei, dass in den Sommerferien gebaut werde. So umgehe man den „Vollbetrieb“ der Straße, „weil wir dann den Schulverkehr nicht mehr in der Stadt haben“.

Die Bauarbeiten auf der zentralen Verkehrsader würden ­somit zeitgleich zu den laufenden Bauarbeiten am Knotenpunkt Weidenhäuser Brücke beginnen. Droht in der Nordstadt 
dann der endgültige Verkehrsinfarkt? Fakt ist: Seit Beginn der Sperrung der Weidenhäuser Brücke Ende Februar fahren täglich durchschnittlich­ rund 2300 Autos mehr durch die Bahnhof- und Robert-Koch-Straße als noch in den Vormonaten (laut Straßenverkehrsbehörde 13 100 statt 
10 800).

Dauer der anstehenden
 Bauarbeiten noch unklar

Die Stop-and-Go-Situation­ zwischen Neuer Kasseler Straße,­ Ernst-Giller- und Elisabethstraße, so berichten es viele Marburger, habe sich seit der Brückensperrung im Stadtzentrum und dem damit verbundenen Aus für die direkte Innenstadtzufahrt über die B  3-Abfahrt Marburg-Mitte weiter zugespitzt.

Eine Beobachtung, die von Bürgermeister Stötzel bestätigt wird: Vor allem morgens und nachmittags komme es seitdem verstärkt zu „Verkehrsbehinderungen“ und „längeren Fahrzeiten“. Die Nordstadt zähle dabei zu den „neuralgischen Punkten“, hieß es zuletzt auf OP-Anfrage.

Berufspendler und Einzelhändler kritisieren bereits seit Beginn des Verkehrsversuchs vor rund drei Jahren eine verschärfte Stauproblematik, vor allem morgens und nachmittags. Seit wenigen Wochen sorgt zudem die Eröffnung der Universitätsbibliothek am Pilgrimstein für ein weiter erhöhtes Verkehrsaufkommen in dem Stadtgebiet.

Wie lange die bevorstehenden Bahnhofstraßen-Bauarbeiten dauern werden und auf welcher Länge die Fahrbahn aufgerissen werden müsse, ist laut Magistrat noch unklar. Stötzel versprach jedoch während der Jahreshauptversammlung des Werbekreises Nordstadt, die Geschäftsleute und Anwohner rechtzeitig vor Beginn der Arbeiten zu informieren. 


von Björn Wisker
 und Andreas Schmidt