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Marburg Der Helfer, der vom Himmel schwebt
Marburg Der Helfer, der vom Himmel schwebt
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09:00 12.01.2019
Fliegt seit September im Rettungshubschrauber mit: Der ehemalige Marburger Florian Franz arbeitet als Notarzt in Kassel. Quelle: Schachtschneider
Marburg

Viele kennen den Rettungshubschrauber Christoph 7 aus der Luft – oben am Himmel gehört er irgendwie dazu. Wenn der Hubschrauber dann aber irgendwo landet, wird eben auch der 33-jährige Notarzt zum Hingucker – für ihn immer noch ein komisches Gefühl. Diese Helfergeschichte beginnt in Marburg. Hier studiert Florian Franz Medizin. Sechs Jahre lebt er in der Uni-Stadt. „Die notfallmedizinische Ausbildung war wirklich top“, sagt er rückblickend.  

Seit 2013 ist Franz als Internist, also Arzt für Innere Medizin, bei den DRK-Kliniken Nordhessen, dem früheren Rot-Kreuz-Krankenhaus in Kassel, angestellt. Dort absolvierte er bereits sein praktisches Jahr. Damals ist es noch ein Wunschdenken, irgendwann als Notarzt im Rettungshubschrauber mitzufliegen, beschreibt es der 33-Jährige. Dass daraus schnell Realität wird, damit hatte er nicht gerechnet.

Seit vergangenem September ist er nicht mehr nur am Boden im Einsatz, sondern auch in luftiger Höhe. Im Hubschrauber-Team ist er der Jüngste. Wenn es piept und der Oberarzt die orangefarbene Dienstkleidung trägt, dann geht es los – sofort. Einer seiner ersten Einsätze mit dem Christoph 7 ist ein schwerer Verkehrsunfall. Neben dem Rettungshubschrauber aus Kassel wird ein zweiter Hubschrauber aus Siegen alarmiert, um die zwei Schwerverletzten zu versorgen. „Da weiß man beim Anflug schon, dass etwas Schlimmes passiert ist“, sagt Florian Franz.

Rettungshubschrauber Kassel: Als Erster vor Ort

Er ist mit seinem Team als erster Hubschrauber vor Ort gewesen. „Wir hatten keine Wahl, die einzige Chance war, den Patienten sofort mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus zu fliegen“, erinnert sich der Notarzt. In solchen Fällen zähle jede Sekunde, da gelte es, einfach zu handeln. Zurück in Kassel setzt sich das Rettungsteam zusammen und spricht lange über den Einsatz. So etwas sei eben dann doch nicht alltäglich.
Was genau ihn erwartet, das weiß der junge Arzt zu Beginn seines Arbeitstages nicht. Ob er einem Patienten in einer Wohnung helfen muss oder der Verletzte in einem Waldstück liegt. Das macht die Arbeit im Rettungsdienst auch körperlich anstrengender.

„Ich bin vorher noch nie Hubschrauber geflogen, es hätte ja sein können, dass ich das Fliegen überhaupt nicht vertrage“, sagt Florian Franz. Aber das ist zum Glück kein Problem: „Man ist gar nicht so hoch, wie man vielleicht vermuten würde – oftmals kann man direkt durch die Fenster in die Wohnungen schauen.“

Gerade im ländlichen Raum ist es immer ein Ereignis, wenn der Rettungshubschrauber landet. „Aber oftmals ist es eben gerade da der Fall, dass so der Notarzt am schnellsten vor Ort ist“, sagt Florian Franz. In vielen Fällen würden die Patienten dann doch mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. „Patienten in sehr kritischem Zustand werden ohnehin nicht im Hubschrauber geflogen, weil man während des Fluges nur sehr eingeschränkt handeln kann“ sagt er.

Florian Franz wollte schon früh als Notarzt arbeiten

Ein bisschen reingerutscht in den Job sei er, sagt der junge Mediziner, der aus Bad Karlshafen kommt und in Hofgeismar Abitur gemacht hat. Nach dem Zivildienst im Krankenhaus nutzte er die Zeit, bis das Studium begann, und machte eine Ausbildung zum Rettungssanitäter. Mit Blick auf den Ärztemangel können sich angehende Mediziner ihr Arbeitsfeld mittlerweile aussuchen. Florian Franz muss allerdings nicht lange überlegen. Für ihn steht fest: Er will als Notarzt arbeiten. Was der Rettungsdienst für ihn ausmacht? Sofort zu helfen und zu sehen, dass es dem Patienten besser geht.

Wenn Florian Franz erzählt, dann merkt man, er brennt für seinen Job – auch wenn er manchmal belastend und anstrengend ist. Und eben anders als der Dienst in einer Praxis. Ob seine Studienkollegen das genauso sehen? „Es gibt viele, die generell keine Einsätze als Notarzt fahren wollen, weil sie sagen, sie trauen sich das nicht zu.“

Viele hätten Angst – etwa vor Kindernotfällen oder schweren Verkehrsunfällen. Eben die Situationen, die nicht alltäglich sind. „Wenn man draußen unterwegs ist, hat man keine Kollegen, die man fragen kann. Man wird unterstützt durch den Notfallsanitäter, aber am Ende ist man eben der, der die Entscheidung treffen muss.“ Das betrifft dann auch die Frage, welches Krankenhaus angeflogen wird. „Natürlich müssen wir auf unseren Sprit schauen, aber es passiert eben doch recht häufig, dass wir auch das Krankenhaus in Marburg ansteuern“, sagt Franz.  

Aufmerksamkeit bekommt sein Berufsstand nicht zuletzt durch Fernsehserien wie „Die Rettungsflieger“. Letztens sei er während eines KSV-Spiels über das Auestadion geflogen – in dem er oft in der Kurve steht. Da hätten ihm einige Freunde geschrieben, dass sie ihn gesehen hätten.

Auch seine beiden Söhne wissen, wer da drin sitzt, wenn sie den Hubschrauber sehen. „Ich bin vor allem dankbar und weiß, dass es eine besondere Chance ist, die ich in meinem Beruf bekommen habe.“

von Kathrin Meyer
und Dennis Siepmann