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„Es muss doch das Blut über die Seiten spritzen“

Anne Chaplet beim Krimifestival „Es muss doch das Blut über die Seiten spritzen“

Peru und der Vogelsberg, Miss Marple und Rammstein, Katzen und Angela Merkel – all das kann man in anderthalb Stunden packen. So geschehen bei Anne Chaplets Lesung am Mittwoch in Marburg.

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Anne Chaplet in der Stadtbücherei.Foto: Schwarzwäller

Marburg.. „Marburg hält mir irgendwie die Treue, das finde ich schön“, stellte Anne Chaplet am Mittwochabend angesichts von knapp 70 Besuchern in der Stadtbücherei fest. Im Gepäck hatte sie bei ihrer Lesung im Rahmen des Marburger Krimifestivals „Erleuchtung“: die neueste Geschichte rund um den Ex-Werbefachmann Paul Bremer und die Frankfurter Staatsanwältin Karen Stark.

Es wird allerdings kein Wiedersehen mit den beiden geben, verriet die Autorin. Sie sei ein Fan von Serien, auch wenn sie selbst Krimis lese, aber mit dem achten Teil soll die Bremer-Reihe nun beendet sein. Womit es weitergeht, darauf dürfen Fans gespannt sein - sie wollte ja eigentlich immer mal einen Krimi ohne Mord schreiben, gab Anne Chaplet zu. „Aber das wollen Sie doch alle nicht?“, fragte sie ins Publikum. „Es muss doch das Blut über die Seiten spritzen!“

Die Erleuchtung zur „Erleuchtung“ sei indes ihrem Agenten zu verdanken. Der befand den Fall in „Schrei nach Stille“ zuvor noch nicht richtig gelöst. Nun verbindet sich die Geschichte eines jungen Mädchens, das in den wilden 60ern aus einer Hippie-Kommune im Vogelsberg verschwand, mit dem „Leuchtenden Pfad“ in Peru.

Dass der Name Chaplet nur ein Pseudonym für ihre Existenz als Krimi-Autorin ist, wurde vor zehn Jahren enthüllt. Hinter Anne Chaplet - die eine komplette fiktive Biographie besitzt - steckt die Politikwissenschaftlerin und Publizistin Cora Stephan. Die unter anderem „Angela Merkel - Ein Irrtum“ veröffentlicht hat. Und unter einem weiteren Pseudonym, Sophie Winter, Katzenromane schreibt.

In Peru, wo die Handlung von „Erleuchtung“ teilweise spielt, sei sie selbst nie gewesen. Sie habe wie Karl May „mit dem Finger auf der Landkarte“ geschrieben. Robert Schmitt allerdings habe das Land besucht und sie mit Informationen versorgt - der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Frankfurter Polizei, mit dem gemeinsam Anne Chaplet auch die Figur des Giorgio DeLange entwickelt hat. Und weil ihr das so viel Spaß gemacht hat, könnte es sein, dass immerhin der eine literarische Fortsetzung bekommt.

Außerdem erfuhren die Gäste der Lesung auch noch, dass Anne Chaplet ein großer Fan von Miss Marple, allerdings nicht von Agatha Christie ist oder dass sie 1996 „völlig naiv“ und „ohne eine Ahnung zu haben“ begonnen hat, Krimis zu schreiben. Nach knapp anderthalb Stunden signierte sie noch gut gelaunt Bücher in der Stadtbücherei. Wo sie übrigens Mitglied werden wollte, wie die stellvertretende Bibilotheksleiterin Cornelia Wiegand zur Begrüßung verraten hatte. Dann wird sie wohl auch Marburg die Treue halten.

von Nadja Schwarzwäller

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