Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Frank Preiß ist der neue Held am Richtsberg
Marburg Frank Preiß ist der neue Held am Richtsberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 03.09.2018
Anwohner Frank Preiß fand in seinem Garten nach dem schweren Unfall am Richtsberg nur noch Wrackteile, wo am Dienstagabend ein goldener BMW einen Fußgänger überfahren hatte und dann die Böschung vor dem Wohnblock hinab gerast war. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Es war ein Schock für die Bewohner der Straßen Am Richtsberg und der darunter liegenden Sudetenstraße, als am frühen Dienstagabend ein goldener 5er BMW erst mit einem Passanten kollidierte und dann weiter die Böschung hinab auf die Wiese vor dem Wohnblock Sudetenstraße 62 fuhr (die OP berichtete).

Am Dienstagabend, 28. August, ereignete sich am Richtsberg ein Unfall, bei dem ein Fußgänger und der Fahrer eines goldenen 5er BMWs schwerverletzt wurden.

Die kuriose Unfallfahrt erregte viel Aufsehen und Bestürzung bei den Anwohnern: „Es gab einen lauten Knall, einen furchtbaren Schlag“, berichten Preiß und seine Mutter etwa eine Stunde nach dem Crash mit Schrecken. Demnach muss der BMW erst durch den Bewuchs der steilen Böschung, von der Straße Am Richtsberg aus, rund 150 Meter weit auf der Wiese und an der Hauswand entlang und noch durch ein kleines Gartenstück gerauscht sein. Auf dem Weg brach der Wagen durch weitere Büsche, fuhr den Birnenbaum direkt vor dem Balkon des Bewohners um und kam nach einer weiteren Drehung am anderen Ende der Fassade zum Stehen.

Anwohner handelt sofort und leistet Erste Hilfe

„Es war sehr laut und dann fiel plötzlich der Birnenbaum um – das Auto muss trotzdem weiter gefahren sein“, berichtet Preiß. Der Anwohner handelte umgehend, lief aus dem Haus und folgte den Spuren der Verwüstung im Garten bis zu dem lädierten Unfallwagen. „Das ganze Auto hat gequalmt, die Front und die Scheibe waren völlig zerstört, ich habe sofort nach dem Mann geguckt“, erzählt der Anwohner. Der 56 Jahre alte Unfallverursacher saß noch hinter dem Steuer, als der Ersthelfer eintraf, war halbwegs ansprechbar, „er war wach, aber total verwirrt und wollte erst noch weiterfahren“.

Offensichtliche Verletzungen hatte der Mann wohl nicht – nachdem er sich von dessen nicht lebensbedrohlichem Zustand überzeugt hatte, lief Preiß wieder zurück und auf die andere Seite des Blocks. Dort fand er das schwer verletzte Unfallopfer – einen 49 Jahre alten Mann aus Marburg – unterhalb der Haltestelle Sonnenblickallee, wo dieser von dem BMW mehrere Meter mitgeschleift worden war, die Böschung hinabstürzte und schließlich auf dem Wiesenstück liegen blieb.

Der Verletzte blutete wohl stark aus einer großen Platzwunde am Kopf, die er sich durch den Aufprall zugezogen haben musste, schätzt der Retter: „Ich bin sofort reingesprungen und habe den Erste-Hilfe-Koffer geholt und den Mann erst mal versorgt“. Auf seinem Weg alarmierte Preiß noch weitere Nachbarn, die Polizei zu verständigen. Die rückte kurze Zeit später an, ebenso wie Feuerwehr, Rettungswagen und Notarzt, welche die Versorgung der Verletzten übernahm.

Bis dahin harrte Preiß mit Verbänden und weiteren Erste-Hilfe-Utensilien bei dem Verletzten aus. Wie die Polizei später mitteilte, erlitt der Unfallverursacher multiple Prellungen, während sich der 49-Jährige deutlich schwerere und „erhebliche Verletzungen“ zuzog, darunter Knochenbrüche, Kopf- und Rückenverletzungen. Zumindest die Blutung konnte der Ersthelfer versorgen, bis Hilfe eintraf. Auf seinen Einsatz war er dabei mehr oder weniger vorbereitet. Denn das Notfallset stehe immer griffbereit in der Wohnung, nicht zuletzt als Vorsorge, nachdem es vor zwei Jahren zu einer Messerstecherei in der Nachbarschaft kam, „man weiß ja nie wann man es braucht“, erklärt Preiß.

Trotz schwerer Verletzung keine Lebensgefahr

Ihn wundert die spektakuläre Unfallfahrt und dass der Fahrer, um auf dem unebenen Boden diese lange Strecke überhaupt zurücklegen zu können, durchgehend Gas gegeben haben müsste, schätzt er. „Es gab ja auch keine Bremsspuren“. Wie es überhaupt zu dem Unfall und der folgenden Crashtour kam und ob gesundheitliche Probleme des Fahrers eine Rolle spielen könnten, ist bislang noch nicht bekannt. Nur so viel: Das spätere Unfallopfer soll kurz vor der Kollision auf dem Fußweg gelaufen sein.

Gerade zu dem Zeitpunkt, als der BMW, laut Polizei aus bisher unbekannten Gründen, durch die Baustellenabsicherung an der Kreuzung Am Richtsberg/Sudetenstraße brach und auf die Gegenfahrspur geriet. Von dort fuhr er laut Polizeisprecher Martin Ahlich wohl weiter „im Zick-zack“ und rechts auf den Fußweg. Dort muss er den unglücklichen Fußgänger „aufgeladen“ haben, der tatsächlich auf die Motorhaube geriet und mit dem Kopf heftig gegen die Windschutzscheibe knallte. Beide Verletzten befinden sich nach OP-Informationen noch in stationärer Behandlung, schweben aber nicht in Lebensgefahr.

von Ina Tannert